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Seit ihrem Debüt-Album "On the 6" bestand das J.Lo-Erfolgrezept in einer Verquickung aus puerto-ricanischer Herzschmerz-Attitüde mit Latino-Ghetto-Slang und zeitgenössischem Broadway-Disco-Glanz. Dieser Strategie folgt auch "Brave". Für jede Stimmung, jede J.Lo-Assoziation gibt es mindestens einen Track. Am prägnantesten sind dabei die 80er-Sound-Anleihen, die man derzeit bekanntlich auf so gut wie jedem ambitionierten US-Album finden mag. In guten Momenten kann "Brave" dabei sicher nicht ganz ungewollt an die Miami-Soundmachine-Zeit ihres großen Vorbildes Gloria Estefan erinnern, wie etwa beim Disco-Funk auf "Hold It Don't Drop It". Für die Ghetto-Verweise muss hier z.B. die erste Single-Auskopplung "Do It Well" herhalten, die Ludacris als Gast ins rechte Licht rückt, allerdings auch meilenweit von der Klasse eines "Jenny from the Block" entfernt ist. Nun ja - und wer Herzschmerz mag wird mit "Be Mine" oder "Never Gonna Give Up" bestens bedient sein. So viel zu den Standards.
Für wirkliche Überraschungen und die besten Momente sorgen auf "Brave" Jennifers Avancen in Richtung 70er Soul-Emanzipation-Phase, also jenen Tagen, als Black Music zum Marktführer und zwischenzeitlich auch ernst zu nehmendem Sprachrohr der US-Immigranten mutierte. Die Jackson Five dürfen auf "Gotta Be There" von J.Lo mit heutigen Soundmöglichkeiten angemessen aufgepeppt erscheinen und bei "The Way It Is", dem eindeutig besten Track der Platte, mag Isaac Hayes Drummer Al Jackson zumindest inspirativ Pate gestanden haben.
Die anderen hier nicht genannten Songs - und das muss in aller Deutlichkeit gesagt werden - sind nicht mehr als gut produziertes Füllmaterial, gespickt mit Beats, Sounds und Melodien, die vor fünf Jahren zwar noch als Zukunft des R'n'B gehandelt wurden, heute jedoch niemanden mehr vom Hocker hauen. Das war allerdings bisher auch auf jeder Platte von Jennifer Lopez so und wird dem Erfolg von "Brave" ganz sicher keinen Abbruch tun.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |