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Doch was hat es nun mit der Farbe "Rot" im Setlur'schen Kosmos eigentlich auf sich? Der CD-Waschzettel schlägt zur Erklärung einen Bogen bis hin frühzeitlichen Jagdvölkern, deren Schamanen lebenserhaltende Kräfte im grellen Farbstoff erkannt haben wollen. Unverwundbar will nun auch Sabrina Setlur sein, im großen Stil ins Licht der Öffentlichkeit zurückkehren, mit Stolz und Selbstbewusstsein sagen können: Schaut her, da bin ich wieder. Rot ist natürlich bei ihr auch die Farbe der Liebe, die Farbe des Blutes, die Farbe der Vergeltung. Sie trauert um Verflossene, zeigt jenen aber im nächsten Moment im bekannt erdigen Setlur-Stil den Mittelfinger und wünscht ihren Feinden die Pest an den Hals. Wie eh und je spricht sie ihre Texte gemächlich, aber akzentuiert. Für die Harmoniesucht gibt es männlichen Gesang, der Sebastian Hämer an Sabrinas Seite bringt. Ähnlich, wie in Zeiten mit Xavier Naidoo, füllen beide den Raum aus, den ihnen die hochgradig gut produzierten Sounds und Rhythmen lassen.
A propos: "Rot" ist Sabrina Setlurs bisher beste Platte, vor allem weil es Moses Pelham hier wieder einmal gelungen ist, nah am Zeitgeist zu produzieren. Das kann er, wie kaum ein anderer hierzulande. "Discolampen" referiert, wie der Titel schon vermuten lässt, mit süßen Synthie-Klängen und trockenen 80er-Beats ins Clubuniversum. "I Think I Like It" bedient sich gekonnt an Eurythmics-Harmonien und ist allein schon deshalb ein wirklich guter Popsong. "Lass mich los" und "Überleben" erinnern zweifellos an die Qualitäten von "Freisein" oder "Du liebst mich nicht" - nun eben in etwas aufgepeppter R'n'B-Ästhetik. "Fühlt sich gut an" legt noch eine Schippe drauf und könnte so auch von R. Kelly geschrieben worden sein. Diese Liste lässt sich begeistert fortführen oder man sagt einfach: Verdammt gute Arbeit, Mr. P.!
Matthias Puppe, leipzig-live.com |