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Die Halbwertzeit von Hysteriewellen in der britischen Musiklandschaft ist bekanntlich eine sehr kurze. Heute noch auf dem Titelblatt, morgen nur noch eine Randnotiz - so heißt derzeit hier die Devise. Bei Gossip scheint dieses Spielchen aber eine lange vermisste Nachhaltigkeit zurückzugewinnen. Grund dafür ist wohl, dass die Band neben extrovertiertem Auftreten, frischem Sound und guten Songs auch einem Genre wieder Leben zurückgibt, das dank jahrzehntelanger Weichspülung schon fast jeglicher Existenzberechtigung beraubt schien: Soul. Denn entgegen weit verbreitetem Glauben war die Musik von Marvin Gaye, The Supremes, The Isley Brothers, Isaac Hayes und anderen Stars des Souls in den 1960er und 1970er Jahre auch eine des Widerstands. Hier wurde aufbegehrt, eingefordert, angeprangert - und vor allem mit viel Herzblut gegen Missstände angeschrien.
Gossip setzen genau dort an, transportieren die Attitüde des Souls in die heutige Zeit. Ihre Themen heißen Homophobie, Rassismus, Krieg und natürlich George W. Bush. Ihre Forderung ist immer dieselbe: Weg damit, aber schnell. Mit unglaublich viel Energie, Schweiß und Enthusiasmus verschaffen sich die drei Gehör. Die schon erwähnte Stimmgewalt von Beth Ditto erinnert dabei ohne Abstriche an jene von Aretha Franklin oder Candi Stanton - sicher auch an die mit viel Whiskey geschwängerten Leidklagungen von Janis Joplin. Dazu zerrt die Gitarre von Brace Paine, wühlt der Bass in rauem Funk und scheppert das Schlagzeug von Hannah Blilie wie bei einem aus den Fugen geratenen Punk-Konzert. Mit dem Titeltrack und der aktuellen Single-Auskopplung "Listen Up" sind Gossip zudem auch noch zwei regelrechte Hymnen gelungen.
Großartige Band, super Platte!
Matthias Puppe, leipzig-live.com |