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Traditionell am 30. April zeigen die Leipziger Courage gegen Rassismus und Fremdenhass. Entstanden durch einen geplanten Neonaziaufmarsch am Völkerschlachtdenkmal vor 15 Jahren etablierte sich das Openair-Festival und gilt auch heute mehr denn je als Zeichen für Toleranz und Zivilcourage. In diesem Jahr ist es den Veranstaltern gelungen, die Band Silly als Headliner zu gewinnen. Zudem findet das Konzert erstmals auf dem Marktplatz statt.
Bereits zum 15. Mal laufen die Organisationen für das Courage-Konzert auf Hochtouren. Während die Nachwuchsbands im 14. Jugendfestival unter sich ausmachen, wer von ihnen am 30. April mit auf der großen Openair-Bühne spielen darf, stehen die bekannten Bandnamen schon fest. Als Headliner wird die legendäre Deutschrockband Silly auftreten. Vor knapp vier Jahren begannen Gitarrist Uwe Hassbecker, Keyboarder Ritchie Barton und Bassist Jäcki Reznicek quasi von vorn, aber nicht von neuem. Nach dem Tod von Frontfrau Tamara Danz starteten sie das Projekt „Silly und Gäste“. Auch Schauspielerin Anna Loos bestritt in dessen Rahmen einige Auftritte mit den Jungs – und blieb irgendwie länger als die anderen Gäste. Im vergangenen Jahr erschien das erste gemeinsame Album „Alles rot“ und ließ die Band an alte Erfolge anknüpfen.
Ebenfalls zu Gast wird die Berliner Balkan-Ska-Combo RotFront sein. Sich selbst als „politische Band“ bezeichnend sind ihre Klänge ebenso vielfältig wie ihre Herkunftsnationalitäten. Ein Ukrainer, zwei Ungaren, ein Australier und vier Deutsche haben sich in diesem Kollektiv zusammengefunden und haben keine Lust sich in Schubladen und Musikgenres pressen zu lassen. Ein bisschen Ska und Reggae hier, etwas Dancehall und Hiphop da. Alles gemischt mit mediterranen Melodien und Rockriffs. Ähnlich bunt lassen Yellow Umbrella die Bühne wirken. Die siebenköpfige Band aus Dresden hat sich einer Mischung aus Ska und Reggae verschrieben. Mit Ratatöska reiht sich eine weitere Berliner Reggae-Hip-Hop-Combo ein, die beim „Leipzig. Courage zeigen.“ Ihr neues Album „Immer woanders“ vorstellen. Zu hören gibts laut eigenen Aussagen „Ska ohne Karos, Pop ohne Kitsch, Reggae ohne Joint, Rock ohne Leder und Elektro ohne Hype – einfach nur Musik.“
Two Wooden Stones sind an diesem Abend die Leipziger Vertretung. Ihrem Namen überhaupt nicht entsprechend sind es keine zwei, sondern vier Musiker und ihre Klänge sind weder hölzern noch hart. Ihre ganz besondere Mischung aus „Acoustic-Freak-Folk-Rock“ ist vielschichtig und überzeugt doch durch eingängige Melodien. Alle Bands spielen im Übrigen ohne Gage.
Erstmals wird die Konzertbühne in diesem Jahr nicht vor dem Völkerschlachtdenkmal, sondern direkt im Kern Leipzigs, platziert. Der Umzug in das „Herz der Stadt“ wird sowohl von den Veranstaltern des Vereins „Leipzig. Courage zeigen“ als auch seitens der Stadt begrüßt. „Wir bringen Zivilcourage dahin, wo sie am besten gehört wird“, so der Bürgermeister für Soziales, Thomas Fabian. Zudem hätten die Ereignisse rund um den Rechten Terror gezeigt, wie aktuell das Thema ist. Gerade jetzt sei es deshalb wichtig „gegen rechte Umtriebe aufzustehen“, um zu verhindern, dass sich „Rechte in Leipzig versuchen Räume zu schaffen. Das können wir nur gemeinsam verhindern“, so Sänger Sebastian Krumbiegel, der sich seit Jahren beim Courage-Konzert engagiert und dieses Mal gemeinsam mit MDR-Moderatorin Wiebke Binder durch das Programm führen wird.
Im Rahmen des Konzertes soll auch in diesem Jahr wieder der „Couragiert in Leipzig!“-Preis vergeben werden. „Ausgezeichnet und öffentlich gewürdigt werden sollen Initiativen, Organisationen, Verbände, Institutionen oder Einzelpersonen, die sich in ihrer Arbeit für Demokratie und Toleranz sowie gegen Diskriminierung und Rassismus einsetzen bzw. besonders engagiert haben“, heißt es vom Verein „Leipzig. Courage zeigen“, dem Träger der Auszeichnung. Noch bis zum 20. April können die Leipziger dafür mögliche Kandidaten vorschlagen. Verliehen wird der Courage Preis dann direkt am 30. April auf dem Markt.
Alle Infos zum Preis und zum Konzert allgemein unter: www.leipzig-courage-zeigen.de .
Julia Wick
leipzig-live.com |