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Techno-Star Paul Kalkbrenner begeisterte am Auensee
Fotos: André Kempner
Video: Paul Kalkbrenner im Interview
Leipzig. Irgendwann wird seine Ärztin sich die Kopfhörer aufsetzen und besorgt zu ihm sagen, wie dunkel, wie traurig und verletzlich seine Musik klingt. Paul Kalkbrenner wird sie verwundert anblicken. Dann wird er die Lautstärke und den Bass aufdrehen, am liebsten möchte er so etwas sagen wie: „Da hast du’s. Das ist das, was ich kann. Das ist das, was ich bin.“ So erzählt es eine Schlüsselszene in „Berlin Calling“, dem Film, der Kalkbrenner über alle Grenzen berühmt machte; der es schaffte, eine Musik-Generation zusammenzuschweißen, fernab von Klingelton und dumpfem Getrommel.

Bekannt ist Paul Kalkbrenner in der Techno-Szene seit vielen Jahren. Aber es ist „Berlin Calling“, der den ausgebildeten Trompeter vor etwa einem Jahr zum Star gemacht hat. Es ist die Geschichte des gefeierten und gefallenen DJs Ikarus, der den Lebenswandel der Clubs, den Wandel der Zeit beinahe nicht überlebt. Die Nächte Berlins schicken ihn in den Drogensumpf, und es ist eben dieser Schmelztiegel, der sein verborgenes Talent fördert und der das schafft, was er selbst verkörpert: den Sound, den Ruf und den Mythos Berlins.


Fotos: Paul Kalkbrenner im Haus Auensee
Leipzig ist die fünfte Station auf der nach dem Film benannten Tour. Es scheint ungewöhnlich, dass ein DJ Konzerte spielt, große Hallen füllt und dabei Bands mit Rang und Namen eben diesen abläuft. Vielleicht sind das die Konzerte der Zukunft. In jedem Fall verkennen Kritiker und Fans oft die Leistung Paul Kalkbrenners. Entgegen der Auflegerei herkömmlicher DJs, spielt er vor Publikum seine eigene, komponierte und selbstproduzierte Musik. Dumpfe, schnelle Bässe jagen durch die Halle, die Masse tobt. Viele Besucher sind aus dem Umland gekommen; viele von ihnen sind noch keine 20 Jahre alt. Stroboskope werfen Lichtblitze durch die Reihen, Scheinwerfer blenden; Kalkbrenner drückt in schnellen Abfolgen auf sein Mischpult.

Aus den Boxen ertönen auch Stücke des Albums „Self“. Aber die Arme schnellen nach oben, als „Altes Kamuffel und „In The Sky And In The Sand“ ertönen. Berlin ist eben noch immer Trend, und heute schwimmt Leipzig mit. Ob dies das Ziel Paul Kalkbrenners ist, darf man bezweifeln. Den kommerziellen Erfolg hat er allerdings inne.

Sebastian Pittelkow, LVZ




letzte Aktualisierung: 14.03.2011 13:00:42



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