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Robbie Williams - Reality Killed the Video Star |
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Foto: Plattencover |
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Neues aus der Anstalt: Robbie Williams ist zurück. Der smarte Brite weiß drei Jahre nach seinem letzten Longplayer "Rudebox" das Überraschungsmoment endlich wieder auf seiner Seite. Mit neuer Freundin im Fond, hat Williams die bisher dominierenden Schlagzeilen über exzessiven Tablettenkonsum und die zahlreichen Versuche, jenen in bekannten Promi-Entzugskliniken habhaft zu werden, hinter sich gelassen und ein leuchtendes Comeback gestartet. Dank der Hilfe von Trevor Horn, dem Inbegriff von gigantischen, zügellosen Pop-Produktionen, steht er wieder dort, wo ein Superheld der Phonoindustrie hingehört: auf der Bühne und im Plattenregal.
"Reality Killed the Video Star" - so wunderbar hat Robbie Williams seine neue Scheibe genannt, in gleichsamer Erinnerung an die Zustände seiner jüngeren Vergangenheit und an Trevor Horns frühes, wegweisendes Leuchtfeuer mit den Buggles ("Video Killed the Radio Star", 1979). Auch optisch weiß das Album zumindest an die besten Williams-Layouts der vergangenen Dekade anzuknüpfen: Als Steve McQueen der Neuzeit, diesmal standesgemäß mit Motorrad auf freier Wildbahn fotografiert, konnte der Ex-Boyband-Quertreiber schon immer am meisten überzeugen. Und nicht zuletzt: Für wen, wenn nicht für ihn, lohnt es sich heute noch, die ganz dicke Promotion-Maschine anzuschmeißen - muss sich sein Label wohl gedacht haben. Denn Robbies erster Auftritt nach 1000 Tagen Abstinenz wurde von London aus in nahezu jedes größere Kino auf der Erde live übertragen. Darauf folgten kostenlose Konzerte in halb Europa, Asien und Amerika. Soweit, so gut. |
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Doch lohnt sich der ganze Aufriss wirklich? Steckt nicht vielleicht doch wieder nur ein Schaf im Wolfspelz, wie so oft, wenn die großen Scheinwerfer strahlen? Kann die Musik - denn darum mag es bei Tonträgern ja auch irgendwie noch gehen - den großen Erwartungen an eine Zusammenarbeit zwischen dem wahrscheinlich besten Entertainer unserer Zeit und einem der besten Produzenten aller Zeiten überhaupt standhalten? Ja, sie kann. Irgendwie. Und dann auch wieder nicht. "Reality Killed the Video Star" beinhaltet 13 Songs in erfolgreichster Williams-Manier. Das Warum hinter bisher 55 Million verkaufter Williams-Tonträger erklärt sich in buchstäblich jedem Moment.
Hymnen und Balladen gibt es zuhauf, alle perfekt eingepasst in die Radio-Airplay-Norm und mit jeweils einer anderen Williams-Nuance versehen. Auch ohne die Live-Show gesehen zu haben, zwingen sich beim Hören Bilder auf, wie Robbie mit seinen neuen Songs die Massen begeistert, wie er mal generös, mal verschmitzt, mal betont ernsthaft seine tollen Fähigkeiten im Umfeld von Gesangsmikrophonen ausspielt. Gelegentlich nehmen die Songs auch Bezug auf derzeitige Musiktrends, wird der Beat stringenter, die Sounds synthetischer und Williams erklärt uns die "Disco"-Ära. Aber keine Angst, mehr als ein Fingerzeig ist keiner dieser Ausflüge, Fans brauchen sich nicht vor einem zweiten "Rudebox"-Experiment fürchten. |
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Trevor Horn hat zudem genau das gemacht, wozu ihn schon viele Künstler engagierten: Hallräume zaubern, so dass der Mainzer Dom vor Neid erblasst, und Orchester zusammenstellen, deren Streichersektion die Einwohnerzahl europäischer Kleinststaaten übertrifft. Und nicht zuletzt: Horn drückt bei jedem Refrain so auf die Tube, als sei zu fürchten, dies ist die letzte Melodie, die uns auf Erden bleibt. Kurzum: Hier ist mindestens soviel Horn drin, wie vorn drauf steht.
Allerdings: Bei soviel Gigantomanie und perfekter Inszenierung verging zumindest mir schon nach etwa der Hälfte der Songs die Lust auf ein Mehr. Schlimmer noch: Langeweile ist ein sehr schwaches Wort im Vergleich zum lupenreinen, nahezu mikroskopisch cleveren Superpop auf dieser Platte. Als Single im Radio oder in einem der ebenfalls enorm cleveren Remixe auf dem Dancefloor (u.a. Dank der belgischen Discotech-Heroen Aeroplane) funktionier der zurückgekehrte Robbie Williams ohne Zweifel sehr gut. Auf Dauer im CD-Player oder MP3-Stick jedoch nicht.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |
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| letzte Aktualisierung: 23.12.2009 14:17:18 |
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