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Ewig rauscht der Wald |
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Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 99 porträtieren wir Neun Welten. Die Gruppe begann mit Black Metal, landete über die nordeuropäische Sagenwelt aber in Folk-Gefilden.
Durch neun Welten hindurch ragt der Riesenbaum Yggdrasil in der nordischen Mythologie. Von Hel, der Heimat der Toten, über das Reich der Mitte, das auch das Menschenland Mitgard umfasst (Tolkien hat Mittelerde draus gemacht), bis zum Göttersitz Asgard mit Valhall. Natürlich spielt der Bandname auf diese Sagenwelt an, die fünf Musiker aus Leipzig und Halle sind der Natur und ihrer Mystik verbunden: ... auf ewig Wald ... lautet das zentrale Motto, unter das sie ihre Lieder stellen.
Gegründet haben sie ihre Band im Jahre 2001, ganz stilecht an einem nächtlichen Feuer im Thüringer Wald. Inmitten der Leibhaftigkeit der Natur kam ihnen, die sie bisher dem Black Metal gehuldigt hatten, die Erkenntnis, dass ihre eigentliche Bestimmung ganz woanders liegt. |
| Kompakt |
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Genre: Mystic-Folk
Bandmitglieder: Anja Hövelmann (Flöten, Klarinette, Gesang), Aline Deinert (Geige, Percussion), Meinolf Müller (Akustik-Gitarre, Maultrommel, Gesang), David Zaubitzer (Cello, Akustik-Gitarre), Marten Winter (Schlagzeug, Percussion)
Diskografie: Valg (3-Track-EP, 2003), Vergessene Pfade (2006), Dämmerung (2009)
Konzert: 10 Oktober, Oberhausen (Urschrei-II-Benefizfestival) |
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Sie verbannten danach die elektrischen Verstärker ins Nebelreich Niflheim und verstärkten sich stattdessen durch zwei bezaubernde Walküren. Gemeinsam widmen sie sich seitdem konsequent akustischer Musik mit Gitarren, Cello, Schlagwerk, Geige, Klarinette und Flöten. Diese Klanglandschaften sind immer anmutig und melodiös, gelegentlich durchaus durchzogen von heiterer Grundstimmung, meist aber voller seelischer Untiefen. Abgründe aus Sehnsucht und naturschwärmerischer Melancholie verlocken zum lustvollen Loslassen.
Mystic-Folk könnte man das nennen. Es sind jedenfalls keine coolen Abhänger-Sounds für zeitgeistige City-Slacker, erst recht keine schweißnassen Dauerbeats für die Sinnfreiheit der Dancefloors: Musik für Herz und Seele, nicht für Hüfte und Hintern. Neun Welten verweigern sich konsequent allem, was der moderne Pop verlangt. Kaum Gesang, keine Posen, keinerlei Buhlen um Mehrheiten. Dafür stoßen sie auf rege Aufmerksamkeit bei den Interessengruppen am Rande des Mainstreams: Gleich ihr erster (und leider bis dato einziger) Auftritt auf dem Wave-Gotik-Treffen brachte ihnen Kontakt und Kontrakt mit dem Dark-Folk-Kultlabel Prophecy. Die Schnupper-EP Valg, das erste Resultat dieser Zusammenarbeit, wurde in ihrer ersten Auflage komplett nach ihrem Auftritt beim Tanz- und Folkfest Rudolstadt 2004 von der Bühne herunter ausverkauft.
Es folgte eine Nominierung zum Newcomer-Folkpreis. Mit dem Albumdebüt Vergessene Pfade im Gepäck gingen sie 2007 mit ihren heimlichen Helden und Labelkollegen, den finnischen Tenhi, auf Tournee. Nun war es wieder die Dunkel-Szene, die aufmerkte, es folgten Einladungen in großer Zahl zu allen möglichen Konzerten. Es hätte sozusagen der Durchbruch sein können, das, worauf andere jahrelang hinarbeiten und das sie dann in vollen Zügen genießen. Anders Neun Welten. Sie verweigerten sich sämtlichen Anfragen und beschlossen, in Klausur zu gehen, um an neuem Material zu arbeiten. Inhaltsleere Hast ist ihre Sache nicht. Sie geben den Dingen die Zeit, die die Dinge brauchen, und sich selbst ebenso: Alle sind auch beruflich aktiv oder studieren. |
Den Traum vom Vollzeit-Popstar haben sie nie geträumt, sie wollen ihre Musik nicht den akustischen Einkaufsgewohnheiten der Menge anpassen müssen. Soeben haben sie die Arbeiten an dem neuen Album beendet. Dämmerung wird es wahrscheinlich heißen, das ist genau die Stimmung, die sie lieben, weil sie die Dinge in eine unwirkliche, geheimnisvolle Aura taucht. Ein Zustand des Übergangs, der Transzendenz. Mit einem direkt religiösen Bekenntnis hat ihre suchende Hinwendung zur Naturmystik übrigens wenig zu tun, schon gar nicht mit einer Antihaltung zum Christentum. Lediglich mit einer tiefen, fast spirituellen Verbundenheit mit der Natur. Dämmerung zeigt sich gegenüber seinem Vorgänger noch introvertierter, noch kompakter, obwohl die Neun Welten mit nunmehr vier gesungenen Stücken dem Hörer zugleich so weit wie nie entgegenkommen.
Veröffentlicht wird das Album erst im Herbst, der Sommer ist einfach keine gute Zeit für solche Musik. Danach werden sie auch wieder auf den Bühnen stehen, vielleicht sogar irgendwann einmal, so ist ihr Traum, mit Sigur Rós oder Yann Tiersen.
Warum nicht davon träumen? Sie haben Zeit. Der Wald rauscht ewig.
Lars Schmidt
Folge 100: Shandy Mandies |
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| letzte Aktualisierung: 02.07.2009 09:57:12 |
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