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Nicht wenige der neuen Songs haben das Potential dazu. Allen voran natürlich die erste und mit einem wunderbaren Video versehene Auskopplung "Heavy Cross". An zweiter Stelle der Platte markiert das Stück auch den ersten Höhepunkt auf einer perfekt inszenierten Reise durch die Gossip-Genre-Referenzen. Vom fulminanten, durch schwere Akkorde geprägten Rock geht es dank luftig-groovender Bass-Linien zu Disco über, es folgen perfekte Popsongs, Synthiegewitter und schlussendlich noch eine Brise Bigband-Ska. Gegenüber der vorangegangenen Scheibe sind Gossips musikalische Mittel dabei noch um einiges vielseitiger und abwechslungsreicher geworden. Beth Gibbons eindrucksvolle Stimme ist zwar weiterhin immer Dreh- und Angelpunkt eines jeden Songs, allerdings treten Melodien, Brüche und Rhythmik mehr und mehr aus ihrem Schatten.
Nicht zuletzt erweist sich das mit sagenhaft vielen Anspielungen und Zitaten auf die Musikhistorie bestückte Album auch inhaltlich weitaus kompatibler mit den sonst üblichen Rahmenbedingungen des Pop als bisherige Gossip-Veröffentlichungen. Nahezu jeder Song auf "Music For Men" behandelt die Gefühlswirrungen der Zweisamkeit, natürlich mit der von Beth Ditto und Co. gewohnten Deutungsvielfalt hinsichtlich etwaiger Geschlechterrollen.
Zusammengefasst, kann das neue Gossip-Studioalbum somit den hohen Erwartungen nicht nur gerecht werden, sondern jene vor allem hinsichtlich Songwriting und Produktion gar noch weit übertreffen. Mit "Music For Men" ist ihnen ein tolles Pop-Album gelungen, das in den kommenden Monaten zweifellos nicht nur in bisherigen Fankreisen für Zustimmung sorgen wird. Etwas auf der Strecke bleibt dabei allerdings der raue Charme und die Unvollkommenheit einer Punkband mit Disco-Groove, die Gossip früher so begeisternd verkörpern konnten.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |