|
Für den elektronischen Unterbau der Songs sorgt Le Schnigg. Er ist für Delphia der Mann der Knöpfe und der Herr der Sounds, der viele Strukturen vorgibt und am liebsten fünf Arme hätte. Da er an seinen Maschinen auch viele Nuancen live variieren kann, spielt Improvisation eine entscheidende Rolle bei den Pentatones.
Ganz wichtig gerade in Sachen Bandharmonie dürfte Hannes sein, der nach Aussage des Obertüftlers nicht nur ein begnadeter Kontrabass-Spieler ist, sondern auch stets dafür sorgt, dass die Technik tiptop funktioniert. Nebenbei entwickelte er vor einigen Jahren ein bedeutendes Tool für das Quartett. Mit Hilfe der Software Max/MSP besitzt diese einen selbst geschriebenen optischen Klick, der in liebevoll selbst gebauten Kästchen den Rhythmus visuell und nicht akustisch vorgibt.
Albrecht am Piano ist der Meister der Melodien, der den Songs Seele einhaucht, wobei er Steigerung über mehrere Minuten aufbauen kann. Und dann natürlich Frontfrau Delphia, die live durch ihre Präsenz alle Blicke auf sich zieht. Ihre Stimme findet sich übrigens auch immer wieder auf anderen Produktionen. So hat sie schon für Songs von Clueso oder Robag Whruhme von Wighnomy Brothers Vocals beigesteuert. Die über Jahre von allen immer weiter entwickelte Routine im Live-Sampling dürfte in dieser Intensität einzigartig sein. Bei den Konzerten weiß das Publikum oft nicht mehr, was gerade live gespielt und was live gesampelt wird, da alle vier ihre Instrumente und Knöpfe bedienen.
Eine erfolgreiche Erweiterung der Pentatones bietet zudem das audio-visuelle Projekt E.N.T.E.R./PreEnter, das sie mit dem Weimarer Videokünstler-Kollektiv You Are Watching Us aufführen. Dabei inszenieren die Pentatones ihre Musik zu Visuals. Das Bildmaterial stammt von Scannern. Das Publikum, das sich nach Lust und Laune einscannen kann, wird selbst Teil der Aufführung. Diese Sessions haben sie auf Medienkunstfestivals gespielt, zum Beispiel dem renommierten Ars-Electronica-Festival in Linz oder beim viel kleineren Leipziger Minifestival Audiovisuale im UT Connewitz, wo sie vom Publikum euphorisch gefeiert wurden eine gekonnte Kombination aus Medienkunst und Musik.
Michael Wallis
Folge 96 nächste Woche: Me And The White Tiger. |