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Rhythmus aus dem Kästchen
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Foto: Stefan Schmidt (PR)
Band-Homepage
Die Band auf myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 95 porträtieren wir Pentatones – eine Gruppe, die Kunst und Musik geschickt verbindet.

„Leipzig bietet uns die Möglichkeit, das zu machen, was wir wollen und die Band am Leben zu halten.“ Letzteres klingt in diesem Moment mächtig untertrieben, denn im Proberaum in der Leipziger Südvorstadt trifft sich das „Mosaique Beat Ensemble“ Pentatones fast täglich. Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, dass Tastenzauberer Albrecht Ziepert nach Leipzig kam. Mittlerweile wohnt die ganze Band hier, um zu studieren oder zu arbeiten.

In erster Linie will das Quartett die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklettern. Sie tüfteln akribisch daran, immer besser zu werden. Zuvor wohnten alle vier in Weimar. An der dortigen Kunsthochschule Bauhaus haben sie vor ihrem Umzug ihr Album eingespielt. Dieses soll im Herbst erscheinen und das Kapitel Weimar abschließen.


Kompakt
Genre: Elektronika/Jazz/Trip Hop

Bandmitglieder: Franziska Grohmann alias Delphia (Gesang und Lyrics), Julian Hetzel alias Le Schnigg (Beats und Sampling), Hannes Waldschütz (Bass und Synthesizer), Albrecht Ziepert (Piano, Rhodes, Synthesizer)

Konzerte: 13. Juni beim Jazzfrühling in Gera, 25. Juli beim Festival Umsonst & Draußen, Würzburg/Karlstadt.

Diskografie: Mosaique Beats (2002); Untitled (2006)

Wenn Franziska Grohmann (alias Delphia) „Borrow my Sorrow“ intoniert, fühlt man sich unweigerlich an Portishead erinnert. Trotzdem basteln die Vier immer weiter am ganz eigenen Pentatones-Sound im Triphop-Stil – eine gut produzierte Kombination aus düsteren wie jazzinfizierten Popsongs und schrägen groovenden Beats.

Eines verbindet alle Musiker: Am Anfang war der Hiphop. Ende der 90er waren sie geografisch noch weit voneinander entfernt, denn die eine Hälfte der Band kommt aus dem Schwarzwald. Jahre später in Köln gestrandet, begannen die Cousins Julian Hetzel alias Le Schnigg und Hannes Waldschütz – neben dem Alltag wie beispielsweise Zivildienst – immer ernsthafter Musik zu machen. Für Le Schnigg bedeutete dies stets, an Beats zu schrauben. Seit 2004 studierte er in Weimar.

Dann sind da noch Albrecht und Franziska, die nach eigener Aussage ihre gemeinsame Jugend im Kassablanca verbrachten. Das Kassa ist der Club in Jena schlechthin, in mancher Hinsicht vergleichbar mit dem Leipziger Conne Island. Wie es der Zufall oder vielleicht auch das Schicksal wollte, wohnte Le Schnigg bald mit den zwei Jenensern in Weimar in einer WG. Das hatte mittelfristig zur Folge, dass sie darüber nachdachten, zusammen Musik zu machen. So ging es für Le Schnigg eines Tages mit Delphia nach Bremen – denn dorthin hatte es Hannes mittlerweile verschlagen – um auszuprobieren, was passiert, wenn sie zusammen Musik machen. Die Chemie passte so gut, dass Hannes nicht daran vorbei kam, auch nach Weimar zu ziehen. Den Namen Pentatones gab es da schon seit einiger Zeit. Bis dahin hatten Le Schnigg und Hannes – mit unterschiedlichsten Gastmusikern – unter diesem gespielt. Seit 2005 sind die Pentatones ein festes Quartett.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Für den elektronischen Unterbau der Songs sorgt Le Schnigg. Er ist für Delphia der „Mann der Knöpfe und der Herr der Sounds, der viele Strukturen vorgibt und am liebsten fünf Arme hätte“. Da er an seinen Maschinen auch viele Nuancen live variieren kann, spielt Improvisation eine entscheidende Rolle bei den Pentatones.

Ganz wichtig – gerade in Sachen Bandharmonie – dürfte Hannes sein, der nach Aussage des Obertüftlers nicht nur ein begnadeter Kontrabass-Spieler ist, sondern auch stets dafür sorgt, dass die Technik tiptop funktioniert. Nebenbei entwickelte er vor einigen Jahren ein bedeutendes Tool für das Quartett. Mit Hilfe der Software Max/MSP besitzt diese einen selbst geschriebenen optischen Klick, der in liebevoll selbst gebauten Kästchen den Rhythmus visuell und nicht akustisch vorgibt.

Albrecht am Piano ist der Meister der Melodien, der den Songs Seele einhaucht, wobei er Steigerung über mehrere Minuten aufbauen kann. Und dann natürlich Frontfrau Delphia, die live durch ihre Präsenz alle Blicke auf sich zieht. Ihre Stimme findet sich übrigens auch immer wieder auf anderen Produktionen. So hat sie schon für Songs von Clueso oder Robag Whruhme von Wighnomy Brothers Vocals beigesteuert. Die über Jahre von allen immer weiter entwickelte Routine im Live-Sampling dürfte in dieser Intensität einzigartig sein. Bei den Konzerten weiß das Publikum oft nicht mehr, was gerade live gespielt und was live gesampelt wird, da alle vier ihre Instrumente und Knöpfe bedienen.

Eine erfolgreiche Erweiterung der Pentatones bietet zudem das audio-visuelle Projekt „E.N.T.E.R./PreEnter“, das sie mit dem Weimarer Videokünstler-Kollektiv „You Are Watching Us“ aufführen. Dabei inszenieren die Pentatones ihre Musik zu Visuals. Das Bildmaterial stammt von Scannern. Das Publikum, das sich nach Lust und Laune einscannen kann, wird selbst Teil der Aufführung. Diese Sessions haben sie auf Medienkunstfestivals gespielt, zum Beispiel dem renommierten Ars-Electronica-Festival in Linz oder beim viel kleineren Leipziger Minifestival Audiovisuale im UT Connewitz, wo sie vom Publikum euphorisch gefeiert wurden – eine gekonnte Kombination aus Medienkunst und Musik.

Michael Wallis

Folge 96 nächste Woche: Me And The White Tiger.



letzte Aktualisierung: 10.06.2009 15:39:44



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