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Die neue Herzensdame
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Foto: Stefan Schmidt (PR)
Band-Homepage
Die Band auf myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 96 porträtieren wir Me And The White Tiger – die neue musikalische Liebe der einstigen Galan Pix Stefan Kopielski und Timo Lurgenstein.

Das Leben ist kein Ponyhof. So ernüchternd das klingt, man muss der Wahrheit ins Auge blicken. Auch für die Spezies Musiker gibt es solche Weisheiten zuhauf, gerade in diesen Tagen. Ein Beispiel: „Es gibt kein Tor mit einem Regenbogen darüber, in das man als Musiker irgendwann hineingelassen wird.“ Der das sagt, muss es wissen. Stefan Kopielski hat viele Jahre mit The Galan Pixs auf die große Musikkarriere hin gearbeitet und vielleicht auch auf jenes Tor gehofft. Heute ist er sich sicher: „Der Weg ist das Ziel!“ Besagte Band gibt es inzwischen nicht mehr, dafür ist Kopielski Teil eines viel versprechenden neuen Projekts, das sich Me And The White Tiger nennt.

Eine Tigerin und drei Tiger basteln hierbei seit Monaten an nichts Geringerem als der Vereinigung von Pop und Dancefloor – neben den Pixs-Kollegen Kopielski und Timo Lurgenstein auch Susi Kemmer (früher The Caine) und Carsten Schulze (Tafka CS). Letztere haben schon früher mit Gastauftritten und Remixen gemeinsame Sache mit den Galan Pixs gemacht. Nach dem Aus für die Band waren sie sich einig: Aufhören geht nicht. „Wenn man 15 oder 20 Jahre des Lebens Musik gemacht hat, ist das Ende einer Band, als sei man geschieden worden. Und man sucht sich dann einfach eine neue Freundin“, erklärt Kopielski.


Kompakt
Genre: Elektro-Pop

Bandmitglieder: Susi Kemmer alias SUI Tiger (Gesang), Timo Lurgenstein alias TL Tiger (Keyboards), Carsten Schulze alias CS Tiger (Keyboards), Stefan Kopielski alias SK Tiger (Gesang, Keyboards)

Diskografie: Pod Music E.P. (2009), Album „Hedonist“ und Single „We Are Discoteque“ folgen im Sommer

Konzerte: 26. September, Ilses Erika (Bernhard-Göring-Straße 152), 24. Oktober, Ostpol (Dresden)

Gegenüber der alten wirkt die neue Herzensdame minimalistischer, auch weitaus elektronischer, tanzbarer und vor allem sehr eingängig. „Bei den Galan Pixs wussten wir einfach nicht immer, wie man Pop macht, haben viel mit Sounds zugedeckt. Das lassen wir jetzt weg“, sagt Kopielski, der sich nun auch SK Tiger nennt. Geblieben ist die musikalische Sozialisation der vier, die in den 80er Jahren zu suchen ist und somit bekanntlich auch heute noch sehr gut zum Musik-Trend passt.

Genau genommen, versuchen Me And The White Tiger beim Songwriting das Formale der Generation zwischen Pet Shop Boys und New Order mit der messerscharfen Kühle und Dynamik manch zeitgemäßer Dancefloor-Sounds zu verbinden. Im Resultat dominieren fulminante Bässe und gradlinige Beats, die in der Discothek für Furore sorgen können und die dank der weiblichen und männlichen Gesangparts auch beim Wohnzimmer-Rave eine gute Figur machen. Für den Hausgebrauch haben die vier inzwischen eine EP („Pod Music“) veröffentlicht, ein ganzes Album und eine Single sollen im Sommer folgen. Trotz des Auslaufmodells „physischer Tonträger“ gibt es ihre Musik auch auf CD, jedoch nur in Kleinstauflagen für den direkten Freundeskreis produziert.

Wie es die Zeit heute erfordert, veröffentlichen Me And The White Tiger ansonsten auf eigene Faust im Internet. Ein Download-Portal habe ihre Songs geprüft und ins Programm aufgenommen, an jedem verkauften Song partizipiere man. Für Stefan Kopielski ist der Weg über das Internet auch ein sehr angenehmer, vor allem mit Blick auf frühere Erfahrungen mit Plattenlabels: „Du musst heute nicht mehr mit Menschen sprechen und Verträge machen, mit denen du sonst nicht mal ein Bier trinken würdest.“
Ohne solch einen Partner obliegt die Verbreitung der Musik natürlich allein der Band, die auch alle Möglichkeiten des Internets auszunutzen versucht – mit einer Einschränkung: keine Bandwettbewerbe, egal ob im Netz oder auf der Konzertbühne. Dort, wo viele Kollegen in den vergangenen Monaten in die Öffentlichkeit strebten und auch den einen oder anderen Euro verdienten, wollen Me And The White Tiger niemals stehen. „Dieser sportliche Grundgedanke an Musikwettbewerben, dieses Gegeneinander und höher, weiter, schneller ist einfach furchtbar“, so Kopielski. In Zeiten der Galan Pixs sei die Jägermeister-Rockliga einmal auf sie zugekommen, man habe aber eine Teilnahme bereits damals kategorisch abgelehnt.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Vielleicht würde ein durchstrukturierter Wettbewerb auch gar nicht zum glamourösen, nicht ohne einen gewissen Hedonismus auskommenden Live-Anspruch der Tiger passen. „Wir stehen einfach auf Inszenierung“, meint der Sänger und lacht. Schon allein, wer seine Gesangs-Mitstreiterin Susi früher bei The Caine oder in ihrem Solo-Projekt SUI live erlebt hat, weiß um die Extravaganz ihrer Präsenz auf der Bühne. Derzeit arbeite die Band an einem Konzept für die Live-Darbietung, die erstmals am 26. September im Ilses Erika zu erleben sein wird. Spätestens dort mögen Me And The White Tiger auch die Ersatzdroge für eingangs erwähnten Musiker-Traum vom durchschrittenen Regenbogen-Tor finden: Applaus. Oder wie es Stefan Kopielski bescheiden sagt: „Unsere Belohnung ist es heute, wenn jemand sagt: Eure Musik find ich gut.“

Matthias Puppe

Das Portrait der Galan Pixs in unserem Bandspecial.

Folge 97 nächste Woche: Raum41.



letzte Aktualisierung: 10.06.2009 15:39:48



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