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Alle in einem Boot
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Foto: Band
elsterclub.de
Die Band auf myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 94 porträtieren wir Elsterclub – ein Elektro-Pop-Trio, das bestens vernetzt ist.

Keine gute Zeit für Romantiker. Für eben jene Bands, die sich die Füße platt stehen in der Hoffnung, jemand macht ihnen von innen die Tür auf. Das kann man wohl kaum erwarten von einer Industrie, die sich vor Jahren schon selbst verpennt hat und sich nun schon von Strippenziehern wie Dieter Gorny, dem Mitbegründer der Popkomm und ehemaligen Viva-Chef, die Leviten lesen lassen muss.

Die ebenso notwendige wie strapazierte Diskussion über Musik als Discount-Ware (im besten Fall) sollte dringlich mal an der Stelle Rast machen, an der die Künstler in die Pflicht genommen werden. Natürlich ist nicht jede Band mit Mitgliedern gesegnet, die das Telefonieren, Illustrieren oder die Logistik mindestens so gut verstehen wie ihre Instrumente. Doch wäre es wünschenswert, mal zu versuchen, die Realität in den Arm zu nehmen, oder zumindest Menschen, die einem dabei helfen. Musik hatte und hat nunmal einen veritablen Wert. Alles andere zu glauben, scheint fast nostalgisch.


Kompakt
Genre: Elektro-Pop

Bandmitglieder: Johannes Ruß (Synthesizer, Beats, Gesang), Christian Barden (Bass, Gesang) Thomas Stötzner (Gesang, Gitarre)

Diskografie: Club Your Hands (EP 2009)

Konzert: 23. Juni, Park-Party der Soz-Phil-Fakultät (Richard-Wagner-Hain zwischen Jahnallee und Elsterflutbecken)

Elsterclub aus Leipzig sind eine Gruppe, die es bei aller Besonnenheit verstanden hat, wie wichtig es ist, sich diese Helfer ins Boot zu holen, ohne dabei dem eigenen Aktivismus das Bein zu stellen. Sie selbst sind nämlich schon mal mit einigen wesentlichen Grundvorraussetzungen für ein Band-Projekt ausgestattet. Sänger und Gitarrist Thomas Stötzner war jahrelang Lenker der Initiative „Who put the L in Leipzig“. Eine Community, welche die Bandszene der Stadt wie kaum eine andere zusammenbringt. Die Kontakte, die er dabei geknüpft hat, können Elsterclub nur helfen – und das haben sie bereits: ob es um das Organisieren von Auftritten, um die Covergestaltung oder das Produzieren der jüngsten EP „Club Your Hands“ ging.

Trotzdem belassen es Stötzner sowie Elektronik-Mann Johannes Ruß und Bassist Christian Barden nicht beim bloßen Delegieren. Ruß ist Student der Medientechnik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur. Er hat ein Jahr in Glasgow gelebt und die Szene dort nicht nur aufgesogen, sondern ist mit der schottischen Band Nevada Base sogar auf dem Sprung zu etwas Größerem gewesen. Auch über die Leipziger Formation Endlos, in der er als Musiker mitwirkt, hört man nicht wenige Leute schwärmen.

Diese gute Schule gilt es natürlich zu nutzen. Johannes hat die Stücke der EP vorproduziert, und man ist erstaunt, wie sich der eh schon bemerkenswerte Sound durch Handwerk und Hilfe von Endlos-Kollege Daniel Graumüller noch weiter entwickelt hat. Konservenmusik, die erstaunlich organisch wirkt, Clubmusik, die den Pop-Appeal an den richtigen Stellen trägt, und eben eine Produktion, die absolut hermetisch und rund daherkommt. Sechs Songs, die nicht nur auf den Floors dieser Stadt funktionieren, sondern in ihrer Liga absolut den Verhältnissen entsprechen.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Dass man hier nicht lange den richtigen Schlüssel für die Referenzkiste suchen muss, stört die Band weniger. „Man pickt sich die Rosinen aus der Musikhistorie“, so Stötzner, der weiter bekräftigt, dass ihn die Anfänge der elektronischen Musik weit mehr interessieren als zeitgeistige Querverweise auf die Songs der Band. Die lassen sich zwar filtern und lesen sich dann Franz Ferdinand, Friendly Fires, Radio 4, oder Hot Chip. Sie stehen der Band aber ganz außerordentlich und schaffen einen hohen Unterhaltungswert.

Gegen die Meinung, man könne hier einen Trend lesen, weil Clubmusik ja irgendwie Trendmusik sein muss, wehrt sich das Trio allerdings. „Es gibt eben ein Schema, das in Clubs seit jeher gültig war, und darauf wird dann oft ein Trend gesetzt. Außerdem hat das immer viel mit Mode zu tun. Und dann müssten wir ja alle American Apparel tragen.“ Elsterclub legen sich nicht mit ihrer eigenen Geschwindigkeit an: „Wenn man seine Musik schon als Pop bezeichnet, darf man sich nicht nur in einer Szene aufhalten“, so Stötzner weiter. „Für uns ist das live spielen wichtiger, als Platten zu verkaufen. Letztens hatten wir zwei CDs mit. Die haben wir einfach ins Publikum geworfen.“

Vielleicht ist es auch gesund, sich nicht mit überzogenen Ambitionen in den Wettbewerb zu kugeln. Es hat nicht wenige Bands gegeben, denen zu viel Ehrgeiz zuerst den Verstand und dann das Dasein gekostet hat.

Patrick Sudarski

Folge 95 nächste Woche: Pentatones.



letzte Aktualisierung: 29.05.2009 16:27:06



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