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Phoenix - Wolfgang Amadeus Phoenix
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Fotos: Belle Music
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Gegen die Vernunft: Die Epoche der Romantik wird heute als Gegenbewegung zur vorangegangenen, rationalen und wirklichkeitsbezogenen Aufklärung empfunden. Ein pathetischer Zauber, getragen von Sehnsucht, Mythen und Gefühl liegt auf der Kunst, die Anfang des 19. Jahrhundert entstand. Der Band Phoenix konnte man schon immer einen gewissen romantischen Zugang zur Popmusik nachsagen. Leichtfüßig, augenzwinkernd, etwas entrückt sowie mit großen Harmonien und lockerem Groove in den Taschen avancierten die Franzosen anhand ihrer ersten beiden Alben "United" und "Alphabetical" zu einer der beliebtesten Popbands überhaupt.

Nach dem etwas fehlgeleiteten dritten Album kehren Phoenix nun so prägnant wie nur möglich in die einstmals eingeschlagenen Pfade zurück. "Wolfgang Amadeus Phoenix" ist inhaltlich eine Hommage an die Epoche der Romantik und musikalisch das wohl sehnsuchtsvollste, herzergreifendste und beschwingteste Pop-Album des angebrochenen Sommers.

Wie es heißt, verbrachten Sänger Thomas Mars und Mitstreiter in den letzten Monaten viel Zeit im Atelier des Malers Jean-Louis Andre Théodore Géricault (1791 - 1824), auf einem langsam dahin treibenden Hausboot auf der Seine und in den fürstlichen Gemächern eines New Yorker Nobel-Hotels, um die pittoreske, verblümte Stimmung der Romantik in sich aufnehmen zu können. Mit einer Ahnung von der dort erlebten Pracht und Zeitlosigkeit dürften wohl auch der geniale Albumname oder die Titel der beiden ersten Singleauskopplungen "Lisztomania" und "1901" (als Erinnerung an die Weltausstellung in Paris) keine Verwunderung mehr auslösen. Auch ein im Franz Liszt'schen Bayreuth gedrehtes Musikvideo passt da perfekt ins Bild. Denn die pathetische, sich mit Göttern messen wollende Selbsteinschätzung gehört schließlich zum Handwerk jedes guten Romantikers.


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Neben dieser amüsanten künstlerischen Referenz, fanden Phoenix bei der Suche nach dem Wesen der Romantik auch das Wesentliche ihrer Musik wieder, das eben nicht wie auf dem vorangegangenen Fehlschlag "It´s Never Been Like That" im Gitarrenrock, sondern auf dem Dancefloor zu suchen ist. Unter Mithilfe von Produzent Phillipe Zdar (Cassius) erhielt der hedonistisch-ironische Ansatz ihrer Musik als Steigbügel zur funkelnden Glückseeligkeit während eine durchtanzten Diskonacht wieder Vorrang. Dezent gezuckerte Harmonien, trockene Beats, ein mit jeder Menge Funk beseelter Bass und vor allem die gedämpfte Stimme von Thomas Mars lassen "Wolfgang Amadeus Phoenix" von der ersten bis zur letzten Sekunde wie der gebrochene Lichtstrahl an einer Spiegelkugel aufs Gemüt wirken. Nahezu jeder Song ist ein kleiner Hit, mancher hätte auch das Zeug zum größeren, wie etwa die ersten beiden schon genannten Singles, das sanfte "Rome", das euphorische "Girlfriend" oder das mit wunderschönen Spinett-Klängen versehende "Armistice".

Bevor ich mich hier jetzt noch in abgedroschenen Attributen wie "tolle Sommerplatte" oder "Lieblingslieder für den Sonnenaufgang" verliere, bleibt zumindest die Feststellung: Es ist schön, dass Phoenix sich endlich wieder als Konstante für perfekte, wunderbare Popmusik bewiesen haben.

Matthias Puppe, leipzig-live.com


Links
wearephoenix.com
Myspace
Tracklist

Lisztomania
1901
Fences
Love Like A Sunset Part 1
Love Like A Sunset Part 2
Lasso
Rome
Count Down
Girlfriend
Armistice

Label: Cooperativ / Universal

Kurzportrait

Bandmitglieder: Thomas Mars (voc, dr), Christian Mazzalai (git), Laurent Brancowitz (git), Deck D'Arcy (bs)

Genre: Pop, Rock

Diskographie: United (2000), Alphabetical (2004), It´s Never Been Like That (2006), Wolfgang Amadeus Phoenix (2009)



letzte Aktualisierung: 23.12.2009 14:17:06



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