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Auf dem richtigen Weg
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Foto: André Kempner
Die Band auf myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 93 porträtieren wir Two Wooden Stones.

Das Duo hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Zwischen den vier kurzen „Hamlet“-Versionen der Cammerspiele lassen sie mit melancholischen Melodien das Publikum abheben. Die ausdrucksstarke Stimme des Sängers lädt zum Träumen ein, verzaubert.

Die Band nennt sich Two Wooden Stones. Ihre Musik ist weder hölzern noch hart, doch die natürlich erdige Atmosphäre der Töne lässt den Namen authentisch erscheinen. Die Seelenverwandtschaft zwischen den beiden ist unverkennbar. Während Jochen Eberle aus dem Ostallgäu die Sachsenmetropole nach einer Rundreise quer durch die Republik „zu meiner schönsten Stadt Deutschlands“ kürte und deshalb vor zwei Jahren zur Wahlheimat machte, verschlug es den Bretonen mit dem Pseudonym Shelhom letztes Jahr an die Pleiße.


Kompakt
Genre: Acoustic Folk Rock

Bandmitglieder: Shelhom (Gesang, Gitarre), Jochen Eberle (Schlagzeug, Cajon, Xylophon, Gesang)

Diskografie: Demo-CD in Arbeit

Nächstes Konzert: 6. Juni (20 Uhr) im Raum der Kulturen, Engertstraße 23.

Dass sie sich kennenlernten, lag nahe: Die Partnerinnen der beiden sind schon länger gut befreundet. Bemerkenswert ist, dass sie bereits im November 2008, einen Monat nach ihrer ersten Begegnung, ihr Band-Projekt ins Leben riefen. „Wir haben zusammen ein paar Sessions gemacht, und es hat sofort zwischen uns harmoniert“, erzählt Eberle. Shelhom fügt hinzu: „In unserem Gesicht stand ständig ein Grinsen, das war ein gutes Zeichen“.

Nicht nur Humor und Leichtigkeit bei den Proben verbinden die 25-Jährigen. Sie sprechen in einem sehr direkten Sinne eine gemeinsame musikalische Sprache, denn Shelhom spielt selbst seit seinem 15. Lebensjahr Schlagzeug. Eberle, der beim renommierten Lehrer Max Kinker elf Jahre Unterricht hatte, lernt immer noch gern dazu: „Shelhom vermittelt mir, wie ich die Drums statt nur als rhythmisches auch als melodisches Instrument einsetzen kann. Mit Hilfe verschiedener Sticks erzeuge ich fein abgestimmte Klänge, die adäquat zu seiner Musik passen.“ Musik, mit der sich der Süddeutsche voll identifiziert. Das war nicht immer so. Als er noch zur Leipziger Formation Puppet On Strings gehörte, verspürte er bald den Wunsch, Neues auszuprobieren, zu experimentieren, sich weiterzuentwickeln. Mit dem neuen Kollegen sieht er sich auf dem richtigen Weg.

Autodidakt Shelhom kam vor fünf Jahren zufällig zum Gitarrenspiel, weil ihm ein Freund seine alte Klampfe schenkte. Die Fähigkeit, mit der Stimme zu jonglieren und unterschiedliche Gesangstechniken einzusetzen, lernte er während seiner Mitgliedschaft in einem Chor mit traditionellen Folksongs aus aller Welt im Repertoire. Auslöser, eigene Lieder zu komponieren, war eine Hausaufgabe während seines Studiums der angloamerikanischen Literatur. Die Studenten sollten sich zu einem Gedicht von William Blake eine künstlerische Umrahmung überlegen. So entstand „Nurse’s Song“, ein Titel, der immer noch auf der Setlist steht.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Begeistert von der englischsprachigen Lyrik des 19. Jahrhunderts, vertonte er bald weitere Gedichte. Über Edgar Allan Poe, Robert Burns, Christina Rossetti und Thomas Hood führte der Weg zu eigenen englischen Versen. Auf französisch dichtet er zwar auch, doch es fällt ihm schwer, die muttersprachliche Poesie mit seiner Musik zu verbinden. Seine Themen sind die essenziellen der literarischen Vorbilder wie Liebe und Natur, Tod und Verlust. „Ich mag ernste, tiefe Texte voller Bilder, Farben und Metaphern. Ich will nicht über mein letztes Frühstück singen oder kaputte Schuhe“, sagt der vielseitige Tonkünstler, der unter anderem auch Musik für Kurzfilme komponiert hat. „Ein Lied ist dann gut, wenn es mich zum Weinen bringt“. Entsprechend klingen seine Balladen schön schwermütig, gewürzt mit dem leichten Akzent im weichen Englisch.

In der kurzen Spanne ihrer bisherigen Existenz wagte die Band schon erste Schritte in die Öffentlichkeit, wie in Sandy’s Lounge Bar. Die Resonanz des Publikums fiel ebenso positiv aus wie bei dem größeren Auftritt in der Halle A. Nun wollen sie ihre Kontakte in der Szene ausbauen, sich Gigs in der Stadt und auch außerhalb besorgen und eine Demo-CD aufnehmen. Das Cover soll eine besondere künstlerische Note haben und von der bildenden Künstlerin Jane Turpentine entworfen werden. Über einen Ausbau der Band denken sie auch nach. Saxophon und Kontrabass stehen auf der Wunschliste. Auf alle Fälle haben Two Wooden Stones in Leipzig noch viel vor.

Janna Kagerer

Folge 94 der Bandserie nächste Woche: Elsterclub.



letzte Aktualisierung: 20.05.2009 14:49:01



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