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Tiefgründig, aber nicht verkopft
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Foto: Band
Die Band auf myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 92 porträtieren wir Bobby & Claude, ein Duo, das samt seinem musikalischen Anhang dem Dunstkreis des Clubs Horns Erben entstammt.

Zur Pop Up wird man sich ein (Klang-) Bild von Bobby & Claude machen können. Die Gruppe spielt am Freitag im Horns Erben erst ihr zweites Konzert. Ohne übertriebene Lobhudelei kann man sagen, dass in den vergangenen zwei Jahren ein ganz besonderes Projekt herangereift ist. Romantisch, ja, beinahe altmodisch begreifen sich Bobby & Claude im musikalischen Sinn. Dabei entspringt der Feder der beiden Songwriter vielfältig beeinflusster Pop auf hohem musikalischem Niveau. Handwerklich bedient sich die Gruppe viel beim Jazz. „Zeitlos“ trifft ihre Art, Musik zu machen, dann wohl etwas genauer. „Es hat sich herausgestellt, dass wir beide sehr gut miteinander harmonieren“, erklärt Pianist Bobby alias Robert Herrmann den musikalischen Gleichklang.

Vorbilder wie John Lennon und Paul McCartney, die vor allem zu zweit ihre Genialität bewiesen, Elton John oder Billy Joel existieren zwar, sind aber nicht zu hören. Dafür sorgen unter anderem die klanglichen Komplementärteile – die Band des Duos: Gaga Ehlert am Schlagzeug, Matthäus Krzywdzinski an der Gitarre und Alfred Kallfass am Bass. Nichts daran ist zufällig oder aus einer Laune heraus entstanden. „Wir haben hohe Ziele. Das ist keine halbgare Geschichte, von wegen wir machen mal ne Band. Davon haben wir schon genug sterben sehen“, gibt sich Claudius „Claude“ Bruns ernsthaft im Umgang mit der Materie. „Wir betrachten jedes Stück als funktionierendes Lebewesen, in dem wir aufgehen“, bringt Bobby das Ziel der Band auf den Punkt. Die passenden Musiker zu finden, war gar nicht so einfach. „Zunächst galten die Kriterien der Menschlichkeit, wie man zusammenpasst, um einen Resonanzkörper zu bilden, der gleichförmig schwingt“, sagt Claude. Und dann müsse jeder den emotionalen Gehalt der Stücke verstehen können und sich darin spüren, ergänzt Robert.


Kompakt
Genre: Pop

Bandmitglieder: Robert Herrmann (Klavier), Claudius Bruns (Gesang), Gaga Ehlert (Schlagzeug), Alfred Kallfass (Bass), Matthäus Krzywdzinski (Gitarre)

Diskografie: Bobby & Claude (2009)

Nächste Konzerte: 15. Mai, 20 Uhr, Horns Erben (Arndtstraße 33) – mit den United Steel Workers Of Montreal

Mittlerweile 14 Songs stehen auf der Habenseite. Sieben davon haben Bobby & Claude auf eine sehr hörenswerte CD gepackt, die im Wechselspiel zwischen Lebensfreude und Melancholie die klassischen Themen der Pop-Musik in ein Gewand unvergleichlicher Schönheit hüllt. Liebe, Sehnsucht, Trauer – die Aufs und Abs im Leben, die schon Lyriker immer mit Naturassoziationen aufgriffen, bekommen bei Bobby & Claude ebensolche Symbolik. „Oceans At Night“ oder „Warm Sand“ sind Allegorien für die Tiefe und Weite der Gefühle, die die Band in ihrer Musik verarbeitet. Und die ist trotz aller Tiefe und musikalischer Ausgereiftheit eingängig. Dagegen haben Bobby & Claude auch gar nichts, „Das ist wie beim Kochen. Am Ende soll es ja schmecken. Es bringt nichts, nur anders sein zu wollen, freakig und verrückt“, beschreibt Claudius Bruns.

Nicht etwa wie bei Joseph Beuys, nach dem Kunst einfach passieren muss, egal wer das am Ende mitbekommt. Es komme natürlich schon darauf an, ob sich das Publikum auf die Musik einlassen kann. Oder wie es Bobby ausdrückt: „Ob es den Gaumen dafür hat.“ Man kann nicht bunt und pauschal sagen, dass für jeden etwas dabei ist, aber Lyrik und Melancholie werden auch fröhlich gebrochen. Trotzdem bleibt die Liebe nicht auf der Strecke.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Bei Bobby & Claude geht es nicht um schwarz oder weiß, super erfolgreich oder sich super treu bleiben und auch nicht um irgendeine Schublade, deren Klientel man bedienen will. „Aber bei aller Vielfalt: Man kann nicht alles spielen. Nicht Rock, Pop, Jazz, Indie, Funk und was sonst noch alles. Wir wollen unsere Sache einfach so geil machen, dass sich die Leute angesprochen fühlen“, betont der Kölner Claude das Uns und Wir. Der 33-Jährige wollte mit dem Leipziger Bobby eigentlich ein Klavierduo gründen. Die Ideen quollen aber über, und so musste das Projekt erweitert werden. Heute steht die Gruppe für Nachhaltigkeit, um einen politischen Ausdruck zu verwenden. „Wir machen Ökomusik für einen natürlichen Lebenshaushalt“, erklärt Claude. Und der 29-jährige Bobby fügt hinzu: „Unsere Musik hat etwas Verbindliches.“ Also doch altmodisch? „Naja, wir kommen beide ursprünglich aus der Klassik, insofern sind die eigenen Ansprüche an die handwerkliche Seite sehr hoch, was eben handgemachte Musik angeht“, gibt Robert Herrmann zu verstehen.

Die Band hofft, sich auf der Pop Up einem Publikum zu präsentieren, das sonst nicht ins Horns Erben kommt, aus dessen Dunstkreis die Band mehr oder weniger entstanden ist. Stilistisch müsste das möglich sein. Der „Special Way“ könnte mit seiner bluesigen Ironie und den zugespitzten Breaks jederzeit Titelsong eines James-Bond-Abenteuers werden. Darauf sollten sich die Zuschauer mindestens einlassen.

Axel Grehl

Folge 93 der Bandserie: Two Wooden Stones



letzte Aktualisierung: 13.05.2009 12:24:05



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