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„Es muss grooven wie Hexe!“
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Foto: Band
Die Band im Web
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 91 portratieren wir Nils Parkinson, die mit funky Beats die Sale zum Kochen bringen.

Beginnen wir mit großen Worten. Mit den großen Worten, die 1970 Mister George Clinton, exzentrisch und irrwitzig genug, um als großer Prophet durchzugehen, seiner Gemeinde ekstatisch beseelt entgegen sang: „Free your mind, and your ass will follow/The kingdom of heaven is within/Open your funky mind, and you can fly …“

Halleluja, wäre da noch hinzu zu fügen. Auch weil an dieser Stelle ein kleiner Zeitsprung erfolgt, der von eben jenen 1970er Clinton-Lyrics (für die Ewigkeit konserviert auf dem grandiosen Funkadelic-Album „Free Your Mind“) in die Vorweihnachtszeit des Jahres 2004 führt. In eine Nacht, in der laut Nils-Parkinson-Gründungsmythos der erste Schnee jenes Winters auf Leipzig fiel. Was hier erwähnt werden sollte, weil es nicht nur ziemlich stimmungsvoll, sondern auch in spiritueller Hinsicht interessant ist. Suchten doch drei (!) Männer Zuflucht vor dem Schneetreiben in der Behaglichkeit des Beyerhauses. Nun waren Christoph Brückner, Oliver „Ollsen“ Dziemba und Urmel Fischer mitnichten Morgenland-Heilige, trafen sich aber, um wahrlich Großes zu tun.


Kompakt
Genre: Funk

Bandmitglieder: Jule Schröder (Gesang), Christoph Brückner (Alt-Saxophon), Urmel Fischer (Tenor-Saxophon), Friedemann Gross (Drums), Oliver „Ollsen“ Dziemba (Bass), Mike Kettel (Gitarre), Johannes Köhler (Keyboards)

Nächste Auftritte: 15. Mai im Spizz, Release Party zur CD „Doin’ Their Own Thing“; 20. Mai im Steintor Varieté Halle; 9. Juni zum Grandma’s Finest Groove Jam in der Moritzbastei; 26. Juni im Polyesterclub
Erfurt

Diskographie: CD „Doin’ Their Own Thing“ (2009)

Die Vision, die sie umtrieb: Gegen das kalte Wintergrau und selbstredend noch lange darüber hinaus, heiß und schwarz die frohe, wenn auch nicht allzu heilige Botschaft des Funk unters Volk bringen. Das Trio trank Bier und machte „Butter bei die Fische“. Und siehe da: Es wurde gut – und mit den Jahren immer besser.

Schnell wuchsen Nils Parkinson zur Septett-Formation, die fortan durch diverse Clubs tingelte, um dort „Funk vom Feinsten“ zu kredenzen, wie es die charmante Eigenwerbung verspricht. Was man allerdings auch erwarten darf, wenn man sich so weit aus dem Fenster lehnt und sich den eigenen Bandnamen aus Funk Unit-Frontmann Nils Landgren sowie Groove-Urgestein und Saxophonist Maceo Parker zusammenbastelt. Was Nils Parkinson zum Namen macht, der verpflichtet. Wozu – das formuliert Christoph Brückner auf die Frage nach dem künstlerischen Konzept der Band so tiefsinnig wie erschöpfend: „Es muss grooven wie Hexe!“ Was muss man noch mehr sagen?

Das Feuilleton etwa spricht im Falle des Funk ja gern mal vom „erdigen und schmutzigen Sound“ dieser Musik und bemüht deren Vitalität und Laszivität. „Get on the scene like a sex machine“, wie James Brown das formulierte. Und sicher doch geht das in den Bauch und in die Beine und durchaus auch mal in dazwischenliegende Gefilde, ob des Gebräus aus synkopischen Basslinien, knüppelharten Beats und schneidend scharfen Bläsersätzen.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
All das beherrschen auch Nils Parkinson. Und spielen das Ganze zudem mit einer wohltuenden Portion Selbstironie und Understatement. Da gibt es kein dogmatisches Reinheitsgebot, da mildert sich das klare, scharfe Wässerchen des Funk auch mal mit etwas Bill Withers („Soul Shadows“) ab. Und zur hitzigen George-Duke- oder James-Brown-Nummer gesellt sich aristokratisch ein sehr cooler Miles Davis („Nardis“). Selbst hübsche Pop-Zickigkeiten wie Beoncés „Crazy In Love“ passen da bestens. Mit den Jahren fügten sich ins Repertoire zunehmend Eigenkompositionen, die nun zum fünfjährigen Bandbestehen auch auf einer CD zu haben sein werden.

Das ewige Gefrage der Leute nach einer solchen sei vor allem der Anlass zur Konserven-Produktion gewesen. Was freilich wieder mal Understatement ist, aber auf einen klaren Fakt verweist: Nils Parkinson verstehen sich vor allem als Liveband. Größtes Glück: der volle, tanzende, schwitzende Saal. Der ist mittlerweile so sehr ausgemachte Sache, dass da schon mal fast sentimentale Rückblicke auf die Ochsentouren harter Anfangszeiten aufkommen. Etwa an dieses Konzert, damals im Chemnitzer „Café Moskau“. 400 Gäste passen rein, drei waren da. Mit anwesenden Kellnern ein 13 Mann starkes Publikum – das dann allerdings drei satte Stunden begeistert tanzte. So ist das nämlich: „Open your funky mind and you can fly.“ Nils Parkinson wissen, wie das geht.

Steffen Georgi

Folge 92 der Bandserie: Bobby & Claude



letzte Aktualisierung: 13.05.2009 12:24:08



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