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Großer Knall |
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Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 88 porträtieren wir Bangrantisio, eine Gruppe, die nach ihrer Babypause jetzt wieder loslegt. Rapper Brad Schmidt hat seit kurzem eine Tochter.
Zwei Autobahnabfahrten, ein bisschen Bauhaus und irgendwo in der Nähe die Elbe beim Stichwort Dessau drängt sich der Gedanke an gute Musik nicht gerade auf. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, und Bangrantisio ist so eine, denn die Wurzeln der Band liegen dort. Das Rap-Duo von Brad Schmidt und Ladislav Cosira stieß 2004 auf ein Jazz-Trio und nach diversen gemeinsamen Projekten feierte man große Fusion.
Zwischenzeitlich gab es bis zu neun Bandmitglieder, jetzt habe sich Bangrantisio auf sechs Musiker gesund geschrumpft, sagt Brad. Die aktuelle Besetzung besteht aus einem Rapper, einem Keyboarder, der auch Saxofon spielt, sowie einem Gitarristen, Bassisten, Schlagzeuger und Percussionisten. Funkige Beats, die Rhymes erinnern ein bisschen an Blumentopf, und wenn Sängerin Jasmin Graf Songs featured, wird es soulig. Ein wenig wie Cluesos Anfänge, Dendemann und Jazzkantine zusammen. |
| Kompakt |
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Genre: Hiphop, Funk, Soul
Bandmitglieder: Brad Schmidt (Gesang, Rap), Daniel Barke (Saxofon,Keyboards, Gesang), René Kutschmann (Bass), Dario Klimke (Schlagzeug), Roberto Fratter (Percussion), Tim Ludwig (Gitarre, Gesang), Jasmin Graf (Gast-Sängerin)
Diskographie: RapnJazz (LP, 2005), Banküberfall (EP, 2007)
Konzert: 17. Juni Campusfest (Jahnallee) |
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Bands werden ungern eingeordnet, also haben sich Bangrantisio einfach ihr eigenes Genre kreiert: Big-Bang-Sound. Tanzbar, Beat, Rap sind die verbindenen Elemente bei uns, erklärt Gitarrist Tim. Und tatsächlich beginnt das Tanzbein zu wippen, wenn der Mp3-Player auf der Band-Seite loslegt. Der Song Banküberfall erzählt musikalisch ziemlich vielschichtig, wie die Jungs nicht nur Geld, sondern auch die Herzen der schönsten Frauen rauben, Yeah Man ist eine eingängig-anzügliche Sommer-Hymne. Mond über Soho strotzt vor selbstgefälligem Eigenlob, gepaart mit amüsanten Reimen, und Boyfriend beschäftigt sich mit Irritationen, die eine Clubnacht mit sich bringen kann.
Live fahren Bangrantisio außerdem ein paar leichte, tanzbare Cover-Versionen auf, etwa von Kanye West oder den House-of-Pain-Klassiker Jump Around. Einmal waren wir völlig fehlgebucht bei einem Punk-Festival irgendwo in der Pampa auf einem Feld. Da waren nur ganz viele Punker, aber die sind total abgegangen, erzählt Tim.
Nach und nach kehrten fast alle Bandmitglieder der anhaltischen Heimat den Rücken und zogen nach Leipzig. 2005 veröffentlichten sie das selbst produzierte Album Rap`n`Jazz. Zwei Jahre später folgte die EP Banküberfall, als nächstes ist der große Wurf geplant. Schon zwei Jahre basteln Bangrantisio an ihrem zweiten Album, doch bisher wird und wird es nicht fertig. Brad: Wir waren schon mal fast so weit, doch dann ist der andere Rapper Cosi ausgestiegen. Wir fanden es komisch, auf der Platte eine andere Stimme als auf der Bühne zu hören. Deshalb alles noch mal auf Anfang, dafür aber alles richtig.
Bisher ist Musik nur Hobby: Gitarrist Tim studiert auf Lehramt, Brad arbeitet in der Psychiatrie und Bassist René bei einer Krankenkasse. Wir machen das schon aus Spaß, aber mit dem Ziel, vielleicht doch mal was zu reißen, sagt Tim. Wenn denn das Album fertig ist, werden sich Bangrantisio auf Plattenlabel-Suche machen, erste Kontakte sind schon geknüpft: Seit drei Jahren produziert Ole Sander die Band, ein Mitbegründer der Jazzkantine. |
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Zum Bandnamen den beim ersten Mal niemand aussprechen kann sagt Brad: Oh, das waren noch dunkle, verrauchte Zeiten und Assoziationsketten ohne Ende. Er grinst verschmitzt. Eigentlich war Bangrantisio nur eine Lautspielerei, glücklicherweise fiel ihnen dann noch eine angeblich altspanische Übersetzung vor die Füße: Hengst. Und weil neben Funk und Instrumentarium der Rap im Mittelpunkt steht und Rap immer zumindest ein klitzekleines bisschen Ghetto, Gangster und Posing braucht, nennen sie sich die Hengste. Das schlägt sich auch in Textzeilen wie Yeah, ein Hengst hat es leichter als ein Macho er fängt die Stuten ein mit seinem Lasso nieder.
Doch Bangrantisio haben sich verändert, das neue Album wird sich inhaltlich auch mit anderen Dingen beschäftigen. Früher ging es um Party und leicht anbaubare Drogen. Aber das machen wir nicht mehr, jetzt sind wir sozusagen ein bisschen reifer und erwachsener geworden, widmen uns auch ernsteren Themen wie der Liebe, sagt Brad und lacht. Die Demos des kommenden Albums sind wirklich nachdenklicher und tiefgründiger musikalisch aber so abwechslungsreich und tanzbar wie eh und je. Rock, Tango, liturgische Gesänge: Alles wird dabei sein.
Schade für Dessau, dass es um eine Attraktion ärmer ist. Denn der Big-Bang-Sound gehört jetzt Leipzig.
Theresa Wiedemann
Folge 89 der Bandserie: Fallen Angel`s Symphony. |
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| letzte Aktualisierung: 17.05.2011 14:24:19 |
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