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Und plötzlich ist die Unschuld weg
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Foto: Band
rosesondust.com
Myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 85 porträtieren wir Roses On Dust, die ihre Experimente im Radius von Rock und Metal am Freitag bei der Release-Party ihres Albums „Silence Broken“ in Halle 5 vorstellen.

Der Schein trügt. Auf der Bühne tragen die Mitglieder von Roses On Dust etwas Unnahbares in den Gesichtern. Lächeln gehört hier nicht hin, die Konzentration gilt dem Image der Emotions-Kontrolleure, schraffiert von einem Gitarrenausbruch des Saitenkünstlers namens Von Tronje.
Abseits von Verstärkern und Scheinwerfern offenbart sich hinter den Fassaden ein freundlich-sympathisches Trio, das weit weg ist von coolem Gehabe.

Markus Dütsch liefert das beste Beispiel für die Identitätsgrätsche: Privat ist er so ganz und gar kein Haudrauf-Typ, sondern unter anderem aufmerksamer Musiklehrer und liebevoller Vater seines zweijährigen Sohnes Taris. „Auf den Brettern aber gebe ich als Von Tronje gern das Bühnenschwein“, sagt er leicht lächelnd. Der 26-Jährige ließ sich zum Event-Manager ausbilden, arbeitet momentan als Projektassistent im Geyserhaus für die groß angelegte Reihe „Musik macht schlau“ und lehrt Gitarre an der angegliederten Musikschule Tonicum.

Sänger Patrick „Paddy“ Spitzner (25) ist gelernter Anwendungs-Entwickler, verdient zurzeit sein Geld als Programmierer und Call-Center-Agent. Sein Halbbruder, Schlagzeuger David „Dave“ Sommer (20), absolvierte eine Ausbildung zum Informatiker, stabilisiert gerade ein Standbein als Studiomusiker und trommelt außerdem bei der Band 24 Mirrors.


Kompakt
Genre: Progressive Rock/Metal

Bandmitglieder: Patrick „Paddy“ Spitzner (Gesang, Bass), Markus „Von Tronje“ Dütsch (Gitarre), David „Dave“ Sommer (Schlagzeug)

Diskografie: „Visible“ (2005), „Heartbreak Begins“ (Demo, 2005, beide noch unter dem Bandnamen Goth Romance), „Silence Broken“ (2009)

Konzerte: 3. April, 21 Uhr, im Anker (Renftstraße 1) als Teilnehmer des Jugendfestival-Vorausscheides von „Courage zeigen“

Sollte es mit der musikalischen Karriere nicht klappen, sieht Dave seine Zukunft in der Computerbranche. In diese Richtung denkt allerdings keiner der drei – eine Arbeit, die der beruflichen Erfüllung als rockende Combo gleich käme, können und wollen sie sich nicht vorstellen. Irgendwann soll deshalb ihre Leidenschaft nicht nur Gewinn fürs Gefühl abwerfen.

Roses On Dust (RoD) haben einen langen Findungsprozess hinter sich. Ihre Geschichte beginnt mit der Gründung des Vorläufers Goth Romance vor sechs Jahren. Paddy, damals an der Gitarre, holte Dave als Drummer, doch die restliche Besetzung variierte ständig; nach zwei CD-Veröffentlichungen und mehreren personellen Wechseln folgte die Umbenennung in Schizophrayne, mit einer zusätzlichen Sängerin und einem Basser. „So richtig hat das aber noch nicht hingehauen“, erzählt Dave. Ende 2006 bauten er und Paddy das Projekt Roses on Dust auf, Schizophrayne hingegen wechselte in den Standby-Modus – und blieb es.

Als Paddy 2007 aus gesundheitlichen Gründen das regelmäßige Gitarrenspiel aufgeben musste, stieß von Tronje hinzu, der sich zuvor wegen künstlerisch unterschiedlicher Vorstellungen von der Band Demiurg getrennt hatte. Paddy behielt das Mikro, wechselte aber ans Keyboard. Schleichend mutierte der Stil von Roses On Dust weiter; vor knapp einem Jahr schnappte sich Multitalent Paddy den Bass, die Tasten verschwanden aus dem Soundgebilde, das allmählich vom Gothic-Ansatz hin zu Progressive Rock und Metal mutiert war. „Das garantiert eine enorme Bandbreite und engt uns nicht ein, wir können wunderbar experimentieren“, konstatiert Markus Dütsch, der für RoD auch Booking und Management übernimmt.
Ihr Stil manifestiert sich schon im Namen: melancholisch blutende Romantik auf einem Hintergrund von knirschend-reibendem Staub. Wenn der Frontmann eindringlich gegen eine „Wall Inside Your Head“ ansingt, hat von Tronje schon ein zupackend grummelndes Gitarren-Thema ausgebreitet und wird später von Daves Schlagzeug-Hieben mächtig nach vorn getrieben.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Paddys Texte spiegeln Gesellschaftliches wie Zwischenmenschliches, drehen sich um Verlust, Neubeginn, Engstirnigkeit. Im Rock von Roses On Dust steckt Dunkles, aber keine Larmoyanz. Die Besucherzahl auf ihrer Myspace-Seite zeigt, dass das Interesse rasch wächst an der Band, deren Mitglieder sich von Promi-Kollegen wie Slipknot, Nightwish, Metallica, Dimmur Borgir oder Nickelback inspiriert fühlen.

Das Album „Silence Broken“ haben sie in der Wohnung des Sängers aufgenommen, „für ein Studio fehlt schlicht das Geld“. Sie arbeiten hart daran, dass sich die Umstände wandeln. Bei ihren Proben im Raum einer Gohliser Firma, bei ihren Auftritten über Sachsen hinaus und beim Songschliff im Wohnzimmer schwingt er immer mit – dieser Traum von etwas, das man Karriere nennen darf.

Mark Daniel

Folge 86 der Bandserie: Monte Filet



letzte Aktualisierung: 17.05.2011 14:23:59



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