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Und plötzlich ist die Unschuld weg |
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Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 86 porträtieren wir Monte Filet, die verdrehten Folkrock spielen.
Irgendwann hat es bei mir gerappelt erzählt Mario Noll im Interview. Seit zehn Jahren hatte er neben seinen anderen Bands Bert Stephan Group. Mad X-Ray, A.I.D.S. sowie Lord Bishop Rocks immer wieder Songs eingespielt, einfach so zu Hause mit einem Vier-Spur-Recorder. So entstanden über die Jahre immer wieder Aufnahmen, die keinem Bandkorsett zuzuordnen waren. Mussten sie auch nicht, denn sie waren in erster Linie nicht für die Öffentlichkeit gedacht, bis es Noll dann doch gepackt hat. Plötzlich ging alles überraschend fix und verdammt professionell.
Es war Ende 2007, als er darüber nachdachte, die Stücke in einem Studio einzuspielen. Fast alles nahm er in Eigenregie auf. Dann verteilte er die CDs an befreundete Musiker. Schon nach zwei Monaten war klar, wer zur Band gehören sollte. Er hatte seine Leute gefunden mit denen er zum Teil in anderen Combos spielt. So wurden im Sommer 2008 nur noch die Overdubs gemacht, also einzelne Spuren der Aufnahmen neu oder zusätzlich eingespielt, insbesondere die Geigen. |
| Kompakt |
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Genre: Psychedelic Folk
Besetzung: Mario Noll (Gesang und Gitarre), Ralf Leonard (Bass), Sabu Violi (Gesang und Geige), Marco Runge (Gesang, Gitarre, Orgel), Mika Snider (Drums & Percussion)
Diskografie: The First Magic (Palmo Music, 2008)
Konzerte: 6. April La Boom, Leipzig, 25. April Grassi 20, Leipzig, 2. Mai Tonellis, Leipzig, 8. Mai Rotes Kreuz Grünau, Leipzig, 11. September Aaltra, Chemnitz. |
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Damit war die CD fertig, noch bevor Monte Filet das erste Konzert gespielt hatten. Dabei ging allerdings etwas verloren, was nicht mehr zurückzuholen ist, wie Mario Noll erzählt. Diese Unschuld, das spontane unbekümmerte Aufnehmen, wenn ich eine Idee habe, das ist definitiv weg. Jetzt hat alles, was ich als Musiker mache, eine Bestimmung, was gut und schlecht zugleich ist. Wenn er heute versuche Songs zu schreiben, gebe es neben Mad X-Ray das System Monte Filet. Da muss ich mich erstmal dran gewöhnen.
Nachdem die Aufnahmen standen, sollte das Ganze in Anlehnung an seinen Vornamen als Marionetten an die Öffentlichkeit gehen. Kurz vor der Record-Release-Party wurde nach kurzer Web-Recherche allen klar, dass es diesen Titel schon so oft in der Bandwelt gibt, dass spontan Monte Filet erfunden wurde, was nicht nur die Myspace-Suche erleichtert, sondern die offensichtliche Nähe zum Frontmann aufbricht.
Auch die Verpackung des Albums sollte besonders sein. Nach längerer Suche fand Noll eine Blechdose für CDs, die sich gegenüber den üblichen Jewel-Cases abhebt. Darin liegt nun das Monte Filet-Debüt The First Magic. Verdrehter Folkrock, virtuose Musiker und durchaus gewöhnungsbedürftige deutsche Texte, die durch Nolls prägnanten Gesang an Mad X-Ray erinnern, dann aber doch einen neuen Horizont eröffnen.
Und nun? Höchste Zeit fürs erste Konzert. Nach der akribischen Vorbereitung könnte man denken, dass der Record-Release-Auftritt kein Problem darstellen sollte, aber weit gefehlt. Beim ersten Gig waren wir alle auch wenn alle irre viel Erfahrung als Livemusiker haben wahnsinnig aufgeregt, ich ganz besonders. Das kannte ich seit zehn Jahren nicht mehr. Da sich alles auf diesen einen Tag verdichtete, war das Lampenfieber riesig. Doch alles lief richtig gut.
Noll will sich nach 20 Jahren im Musikgeschäft nicht ständig wiederholen. So ist es konsequent, dass er es mittlerweile Mitte 30 albern fände, auch noch mit 40 oder 50 in irgendwelchen Jugendclubs zu spielen. Mit Monte Filet gilt es neue Wege zu gehen, allerdings nicht auf Krampf. Vielmehr will der Musiker seine Erfahrungen nutzen, um auch die nächsten Jahre mit Freude an die Musik zu gehen. Bei Mad X-Ray funktioniert alles in Strukturen, die man schwer aufbrechen kann. Im Gegensatz dazu wirkt Monte Filet wie ein Jungbrunnen. Alles offen, es kann noch in viele Richtungen gehen. Das Steuer ist frei. |
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Monte Filet ist also die Spielwiese, der Freiraum. Trainiert wird weiter insbesondere mit Mad X-Ray, was Noll ebenso wenig missen will. Mit Monte Filet geht es ohne feste Proben oder Proberaum also immer direkt aufs Feld. Das Quintett schreckt auch nicht vor ungewöhnlichen Orten zurück und tritt beispielsweise im La Boom in der Karl-Liebknecht-Straße auf, das so gar nicht als Konzertort etabliert ist. Einen Versuch ist es allemal wert.
Vor Jahren hätte sich Mario Noll keinesfalls als Teil einer Band vermutet, die quasi nie gemeinsam probt, sondern die Stücke und Ideen per E-Mail austauscht. Jetzt schwärmt er förmlich, wenn er davon spricht. Für die nächsten Monate soll es aber eher konventionell voran gehen: Konzerte, Konzerte und möglichst schon 2010 die nächste Platte. Zudem ist die Band auf der Suche nach einer festen Booking-Agentur, denn Noll betreibt nebenbei das Label Palmo-Music und will nicht allzu viel Zeit mit administrativen Aufgaben verbringen. Ihm gehts ums Musikmachen, das hält jung, nachweislich.
Michael Wallies
Folge 87 der Bandserie nächste Woche: Colbinger. |
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| letzte Aktualisierung: 17.05.2011 14:23:57 |
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