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Coole Sachen mit der Geige
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Foto: Band
Myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 84 stellen wir ein Elektro-Projekt vor, das nicht nur durch seine Namensgebung irritiert: I’m Not A Band.

Einmal in der Woche werden die Neonröhren ausgesperrt. Wenn Stephan Jung und Jana Damm eine von hundert Proberaumtüren im kargen Paunsdorfer Bürogebäude hinter sich schließen, die schummergelbe Wohnzimmerlampe anknipsen und an ihrem Plan feilen: Verwirrung stiften. Zwei Herzen in einer Brust. Eine Band in Minimalbesetzung – Laptop, Geige, gemischtes Gesangsdoppel – die sich dem Namen nach auf die Fahne schreibt, keine zu sein. Klingt verrückt. Soll es auch.

„Wir beschreiben uns immer scherzhaft als das Gegenteil von schizophren, weil wir uns eine Persönlichkeit teilen“, flunkert der gebürtige Rendsburger. „Und wir wären eine tolle Persönlichkeit“, ergänzt seine andere Hälfte. Natürlich seien die Leute irritiert, wenn sie „I’m Not A Band“ lesen und dann merken, dass zwei Musiker dahinterstecken. „Das hält in jedem Fall die Diskussionen am Laufen und bringt die meisten Menschen dazu, sich unser Vorhaben mal genauer anzuschauen.“


Kompakt
Genre: Electro/Indie

Bandmitglieder: Stephan Jung (Programming, Effekte, Violine, Gesang, Texte), Jana Damm (Gesang, Texte)

Diskografie: „Procrastinating“ (Demo Mai 2008)

Konzerte: 28. März, 21 Uhr in der Moritzbastei, als Support von Rainer von Vielen

Obwohl er kein klassisches Band-Instrument spielt, ist vor allem der 24-jährige Kopf des Leipziger Elektro-Projektes musikalisch längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. „Mir wurden die Töne quasi in die Wiege gelegt“, erklärt der Sohn eines Musiklehrers und Komponisten, der schon Geige übte, als die Schulkameraden noch mit Spielzeugautos durchs Kinderzimmer knatterten.

Neben Orchestertourneen in Kanada und Norddeutschland gibt Stephan Violinen-Unterricht und versucht sich im Alleingang an diversen Klangwerkzeugen. 500 Kilometer südlich spielte die heute 21-jährige Jana Damm sechs Jahre lang Theater, trainierte das Zäpfchen im Chor und bei verschiedenen kleineren Gesangsprojekten. „Dass wir uns Ende 2007 gerade in der Moritzbastei kennen gelernt haben, war mehr oder weniger göttliche Fügung“, meint die gebürtige Zwickauerin mit Blick auf den ersten offiziellen Gig, der am 28. März in eben dieser Location stattfinden wird.

Bis dahin soll der Staub vom Violinen-Image gepustet, die klassische Musik mit Schmackes ins Hier und Jetzt katapultiert werden. „Die meisten Leute in unserem Alter gähnen, wenn sie an Geigenmusik denken, wir wollen zeigen, dass man damit echt coole Sachen anstellen kann.“ Zu knarzig-bratzigen Laptop-Beats wird unkonventionell mit dem Bogen geschrubbt, gezupft, gestrichen und „jedes interessante Geräusch aufgenommen und mit verwurstet.“ Auf den Zug der momentan wie Unkraut sprießenden Elektronik-Combos will das Duo jedoch bewusst nicht aufspringen.

„Unsere Songs sind sehr gesangslastig, das ist untypisch für die konventionelle Elektroschiene“, meint Stephan, der vor allem durch seine Erfahrungen in der Londoner Indie-Musikszene während eines Auslandsjahres zum Komponieren und Programmieren inspiriert wurde. „Natürlich nutzen wir größtenteils den Laptop, aber für mich ist er ein vollwertiges Instrument, aus dem man wie aus jedem anderen wunderbare Töne herausholen kann.“ Dazu hat das Nordlicht den Minicomputer immer griffbereit, der Song „Trainthougts“ vom Selfmade-Debüt „Procrastinating“ schoss dem Jung-Musiker beispielsweise beim monotonen Rattern des Zuges auf einer Heimreise in den Sinn. „Ich lasse die Ideen immer bewusst noch ein wenig aufstauen, bis es irgendwann einfach raus platzt.“


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Dass diese Strategie aufgeht, bewies zum Beispiel die Wahl auf Platz eins beim Myspace Featured-Artist-Contest durch die Dresdner Erfolgsband Polarkreis 18. „Virtuell läuft es für uns wirklich super, unsere Playaccounts sind explodiert, in einer Woche haben über 8000 Leute unsere Seite besucht“, freut sich das Duo, „natürlich wird einem die Suche nach Konzert-Locations dadurch sehr erleichtert, weil die Booker immer zuerst auf die Myspace-Popularität schauen.“

Das hat den Newcomern bereits Gig-Angebote aus ganz Deutschland, einen festen Platz im Set einschlägiger Leipziger DJs und die Aufnahme ins französische Radioprogramm eingebracht. „Ganz am Anfang habe ich immer gesagt, Auftritte kommen für mich nicht in Frage“, meint der Mittzwanziger, „aber groß Zaster mit Konzerten zu verdienen, ist auch nicht unser Ziel. Die Musik allein gibt ja schon so viel Lebensfreude.“ Deshalb wird auch die Minifanbase beinah rund um die Uhr online betreut. „Manchmal hat Stephan schon ganz viereckige Augen“, verrät Sängerin Jana – und erntet Stephans lächelnde Zustimmung: „Ja, immer nur Fanpost beantworten, ist auch nicht gesund.“

Jennifer Beck

Folge 85 der Bandserie: Roses On Dust.



letzte Aktualisierung: 17.05.2011 14:25:05



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