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Reiz der Gegensätze
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Foto: Band
stylerkings.de
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 82 porträtieren wir die Stylerkings. Das Trio lebt seinen Hiphop-Traum, wobei seit dem dritten Album „Ehrlich und Direkt“ endlich klar ist, was die Band zu diesem Genre brachte.

Hiphop lebt überall, bei den Stylerkings sogar im Knast. Das bedeutet aber nicht, dass die Jungs die amerikanischen Realitäten eins zu eins nachahmen und hinter Gittern gelandet sind. Vielmehr spielten sie im Dezember letzten Jahres ein Konzert in der Jugendvollzugsanstalt Regis-Breitlingen.

Der Gig bildete den hoch emotionalen Abschluss zweier Workshop-Wochenenden, die Patrick Seifeld (33) alias Patrick 23 leitete. Für ihn ist Hiphop sein vielleicht wichtigster Lebensbegleiter geworden, der ihn Tag und Nacht beschäftigt. Zugleich bringt ihm gerade auch die Arbeit mit Jugendlichen großen Spaß, da er dabei auch sieht, „wie die Kids von heute ticken“. Komplettiert werden die Stylerkings durch Thomas Beukert alias Bauer und Patrick Schumann alias DJ Shema.


Kompakt
Genre: Hiphop

Besetzung: Patrick Seifeld alias Patrick 23, Thomas Beukert alias Bauer, Patrick Schumann alias DJ Shema

Diskografie: Die Ära beginnt (2005), SK-Lation (2006), Ehrlich und Direkt (2008)

Auftritte: 6. März im Basamo, Nürnberger Straße 11, beim „ÜBK-SK Hiphop Styles’n’Skillz, Part 1“, bei dem auch Überkinger und DJ Mr. Shemson.

Patrick Seifeld leitet regelmäßig Rap- und Graffiti-Workshops mit Jugendlichen für „@ducation Group der Urban Souls e.V.“ und „Klinke e.V.“; seine regelmäßige Jugendarbeit in unterschiedlichsten sozialen Zusammenhängen ist sogar eine logische Fortsetzung der eigenen Bandgeschichte. Das Hiphop-Trio zeigt, dass Studium, Job, Karriere und Herkunft eben nur eine Seite der Medaille sind. Geht man nach Klischees, dürfte es die Stylerkings nicht geben, denn die Lebenswege der zwei MCs Patrick 23 und Bauer könnte kaum unterschiedlicher sein, wie Patrick 23 berichtet: „Ich bin in Reudnitz groß geworden, und bei mir ging eigentlich alles daneben“, sagt er, „zerrüttetes Elternhaus, ich hab’ gerade mal einen Hauptschulabschluss. Bauer ist das genaue Gegenteil: auf dem Dorf in gut situierten Familienverhältnissen aufgewachsen, Abitur und dann noch erfolgreiches Studium.“ Das Trio, das durch DJ Shema an den Plattenspielern ergänzt wird, kultiviert dabei die Gegensätze der jeweiligen Herkunft.
Insbesondere auf ihrem dritten Album „Ehrlich und Direkt“ zeigen die zwei MCs diese auf, machen daraus aber zum Glück eben kein Problem. Vielmehr bilden die Unterschiede am Ende sogar das gewisse Etwas, das die Stylerkings und ihre Texte zu dem macht, was sie sind – „zwei MCs, die nicht unterschiedlicher sein könnten“.

Patrick 23 fing an zu rappen, um mit seiner nicht gerade rosigen Lebenssituation klar zukommen. Im Gegensatz dazu begann der behütet aufgewachsene Bauer zu rappen, um cool zu sein und den Mädels zu imponieren. Was dann aber nicht so einfach klappt, wie man denkt. „Ich hatte anfangs natürlich die Hoffnung, aber dann merkst du, wie schlecht du eigentlich rappst, und dass du viel besser werden musst, um Eindruck zu schinden. Am Ende bist dann so im Hiphop drin, dass es nur noch ums Rappen geht und gar nicht mehr vordergründig um den Erfolg bei den Frauen.“

Während die Reime von Bauer voller Humor stecken, wobei er permanent gängige Männer-Klischees überzieht und somit auch enthüllt wie entzaubert, steht Patrick 23 für die harte Welt der Straße. Hier dreht es sich aber eben nicht um Brooklyn/New York, sondern um Reudnitz oder Eutritzsch, wobei das aktuelle Album ebenso eine Brücke zum Clemens-Meyer-Buch „Als wir träumten“ schlägt. So ist auch der Autor selbst, den Patrick 23 aus der gemeinsamen Zeit im Reudnitz der 90er gut kennt, mit einem Feature auf „Ehrlich und direkt“ vertreten.

Ihre ersten Erfahrungen sammelten die zwei MCs in unterschiedlichen Formationen. Patrick 23 gehörte Ende der Neunziger zu den mittlerweile legendären Microphoenix, die zeigten, dass so einiges in Sachen Hiphop aus Sachsen geht. Auch wenn der große Erfolg im Rap-Business ausblieb, hatte sie mit ihren gefeierten Auftritten eins geschafft: Sie haben andere Leute ordentlich „geflashed“ und mit dem Hiphop-Virus infiziert. Auch ein gewisser Bauer MC war damals von den Auftritten der Microphoenix und Acts der Leipziger Rapcrew Lockstoff so angefixt, dass er mit dem Projekt VolksEigeneBeats loslegte.
Während Bauer ab 2000 mit VEB durchstartete, stand Patrick 23 nach dem Ende der Microphoenix erstmal vor den Trümmern seiner Karriere. Auch wenn die großen Träume des Lebens vom Hiphop zunächst ausgeträumt waren, ging es nach einem kurzen Durchhänger und einer Soloplatte richtig los: „Wenn du eh nicht mehr damit rechnest, dass du groß raus kommst, machst du viel mehr dein eigenes Ding. Für mich ist es einfach mein Leben.“


Bandserie
Weitere Bands im Portrait

Als Patrick 23 neue Solosachen aufnehmen wollte, landete er 2004 in der Wohnung von Bauer. Zu dieser Zeit lief es auch bei VEB nicht mehr rund. So entstand schnell die Idee, mal was zusammen zu probieren. Aus dem Vorsatz, ein paar Tracks zusammen zu machen, wurde recht schnell das erste Stylerkings-Album mit dem passenden Titel „Die Ära beginnt“, das 2005 erschien. Darauf folgte 2006 die „SK-lation“ und 2008 das erwähnte Album „Ehrlich und direkt“, auf dem der Dritte im Bunde, DJ Shema, immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Während die Beats, also der instrumentale Part, auf den ersten Alben von vielen unterschiedlichen Produzenten kamen, tüftelt Shema mittlerweile den Großteil der Beats selbst aus. Somit bestimmt er nicht nur als DJ bei den Gigs den Sound der Band maßgeblich, die übrigens keinen eigenen Proberaum braucht, wie Bauer über einen der essentiellen Vorzüge des Hiphop berichtet: „Hiphop ist eine der preiswertesten Arten, Musik zu machen. Üben kann jeder für sich zu Hause. Wir treffen uns, um uns abzustimmen. Vor den Konzerten probst Du halt beim DJ.“ Passiert übrigens ganz bestimmt auch diese Woche, denn die Stylerkings geben am Freitag im Afro-Club Basamo nach längerer Zeit mal wieder ein Konzert in Leipzig.

Michael Wallies

Folge 83 der Bandserie: Mourning Rise.



letzte Aktualisierung: 17.05.2011 14:25:03



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