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Musik-Anarchisten |
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Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 83 porträtieren wir Mourning Rise. In ihren ausgefeilten Kompositionen dekonstruieren sie gängige Pop- und Rock-Elemente.
Gegenwärtig gehört es für viele Bands zum guten Ton, sich unkonventionell zu geben. Wirklich originell sind dabei nur wenige. Mourning Rise heben sich hiervon angenehm ab. Eigenwilligkeit ist für die sieben Musiker kein Modegag, der Bruch mit üblichen Geschmacksmustern ihr Motor.
Das bewiesen sie im Sommer eindrucksvoll, als sie mit der EP Five Ways To Illuminate Silence ein Debüt vorlegten, das aus dem Rahmen fällt. Denn die Mini-CD wartet nicht mit eingänglichen, in klare Songstrukturen gefassten Melodien auf, sondern enthält Klanglandschaften, die mit vielerlei Materialen verbaut wurden: metallastige, progressive Klänge finden sich mit Folk, Ethno und Balladeskem verwoben. Jazzläufe sind genauso zu hören wie klassische Rockversatzstücke, aber auch Funk und Elektro. Gesangseinlagen, die vom zarten Säuseln bis zu gegrunzten Growls reichen, unterstreichen das Fragmentarische der Stücke. Der Spannungsreichtum ihres Erstlings verdankt sich zweierlei: Den variierenden Hörgewohnheiten der Musiker und ihrer untypischen Arbeitsweise. |
| Kompakt |
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Genre: Experimentelles Handgemenge aus metallastigem Prog-Rock mit verschiedensten Einflüssen vermischt
Diskographie: Five Ways To Illuminate Silence (Supreme Chaos Records 2008)
Bandmitglieder: Max (Gesang), Niko (Gesang), Dem K (Gitarre), Andi (Gitarre), Rika (Keyboard, Klavier), J. Case (Bass), Nico (Schlagzeug), zudem etliche Gast-Musiker
Konzerte: keine Termine geplant |
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Begonnen hat das Projekt Mourning Rise bereits vor Jahren mit den Jamsessions von Bassist Jürgen alias J. Case und Schlagzeuger Nico, die ein gewisses rhythmisches Fundament legten. Hinzu stießen 2006 Keyboarderin Rika und Stefan, genannt Dem K. Der Gitarrist beschreibt die Ausgangslage im Proberaum so: Unterschiedlicher hätten unsere Erfahrungen und Vorlieben damals nicht sein können. Es gab dunkle Ecken in diesem Probezimmer, funky Tapetenmuster, Metalposter, poppige Abgründe, rein akustische Rauchmelder und nur ein Fenster. Die Aussicht versprach ziemlich gemischtes Wetter. Ein Jahr später stand man bereits im Studio und spielte die EP ein. Für den Gesang wurden Max und Niko gewonnen. Mit Andi gehört nun ein zweiter Gitarrist dazu.
Mourning Rise arbeiten anders als die meisten Musikgemeinschaften und pflegen eine anarchistische Art des Musikmachens. Melodien wie Texte entstehen in einem kollektivem Bastelprozess, in den sich alle einbringen. Es sei zwar manchmal anstrengend über einzelne Tonketten zu diskutieren, aber auch lohnend, meint Jürgen. Man merkt, dass es um etwas geht.
Dass dies nicht der kommerzielle Erfolg ist, scheint da nur konsequent. Sonst würde man dem Gespann die Kopflastigkeit, die es in Gesprächen gern an den Tag legt, nicht abnehmen. Man spürt den Ernst, wenn sie ihr Werk inhaltlich als Suche nach Sinn und Erkenntnis beschreiben, die mit der Gewissheit des Scheiterns erfolgt, sowie als Kritik an der Stromlinienförmigkeit vieler Menschen, die ihr Selbstbild beim Shopping zusammensetzen. Unsere Musik funktioniert nicht als klassisches Konsumwerk, erklärt Jürgen. Eine solche Herangehensweise würde scheitern. Auf Mourning Rise muss man sich einlassen, sie fordern eine Eigenleistung vom Hörer, der hier zum Interpreten wird. Die notwendige Auseinandersetzung ist gewollt. Eine solche suchte das Septett bereits im Tonstudio, als es zahlreiche Musiker aus der Leipziger Szene einlud, die Platte nach deren Vorstellungen mitzugestalten. |
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Auf ihrer zunächst überfrachtet daherkommenden EP erweisen sich Mourning Rise als eine Band fürs zweite, dritte Hören. Sie entziehen sich den Erwartungshaltungen und verwirren, was hier aber nicht zur plumpen Provokation wird. Dafür sind die Kompositionen zu ambitioniert und ausgefeilt. Sie lassen sich als musikalische Umsetzung dessen beschreiben, was in der Philosophie Dekonstruktion heißt: Im Spiel mit den gängigen Rock- und Pop-Elementen zeigen sich jene musikalischen Konventionen, denen man sich weder als Hörer noch Musiker so einfach entziehen kann.
Wie es musikalisch weitergeht, wird sich in den kommenden Monaten im Proberaum zeigen. Konzerte seien bisher nicht geplant. Aufgrund der Vielzahl an Mitstreitern bräuchte man mindestens ein Dutzend Leute auf der Bühne. Fest steht, dass Mourning Rise im Frühjahr 2010 ins Studio gehen und eine neue Platte einspielen. Um einiges härter soll diese ausfallen, osteuropäische und fernöstliche Klänge integrieren. Außerdem
, meint Stefan, könne man als Arbeitstitel gelten lassen.
Tobias Prüwer
Folge 84 der Bandserie: Im Not A Band. |
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| letzte Aktualisierung: 17.05.2011 14:25:01 |
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