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Whitest Boy Alive in Leipzig, 2006 (Foto: André Kempner) |
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Es sind klar abgesteckte Regeln, die den passend mit "Rules" betitelten Longplayer bestimmen. Die entscheidendste Vorgabe in alles Songs heißt eben: konsequente Entschlackung. Im Gegensatz zum Vorgänger "Dreams", der auch schon nicht gerade üppig mit übermäßigen Klangräumen und Effekten ausgestattet war, klingt "Rules" noch klarer, simpler, stringenter und unaufgeregter, man könnte meinen: Der weiße Junge hat sich bis auf die Knochen entblößt. Wie hauchdünne Fäden werden die Klänge der Instrumente hier zu einem Ganzen mit einander verbunden. Es gibt keine Spielereien, nichts drängt überambitioniert in den Vordergrund. Die elf neuen Songs schweben einfach dahin, es gibt keinen wirklichen Anfang, kein Ende ist in Sicht. Schon nach wenigen Minuten wirkt alles sehr vertraut.
Dank dieses homogenen, nur schwer greifbaren Gesamtbildes "erschleicht" sich die Musik von The Whitets Boy Alive fast unterschwellig Zugang zum Rhythmusgefühl der Hörer. Ohne mit der Nase drauf gestoßen zu werden, ergreift Bass- und Schlagzeugspiel das Tanzherz, summt man die akzentuierten Melodienführungen von Gesang, Gitarre und Keyboard mit. Wer will, kann gelegentlich dabei auch sehr schöne Referenzen hören, sich anhand dezenter Musik-Zitate z.B. an Rockers Hifi ("Courage") oder Daft Punk ("Timebomb") erinnern.
Im Ganzen ist "Rules" so ein wahrlich sehr schönes Album geworden, das ob seiner Unaufgeregtheit allerdings im schnellen Pop-Geschäft irgendwann in Vergessenheit geraten kann, beim späteren Wiederentdecken aber auch aufs Neue Begeisterung auslösen wird. So etwas nennt man wohl zeitlos schön.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |