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Spiel mich
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Foto: Band
diecoxx.de
Myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 81 porträtieren wir Die Coxx. Die Gruppe bringt ihre Musik mit einer ungewöhnlichen Strategie unter die Leute.

„Spiel mich“ hat jemand in fettem Schwarz auf den Rohling geschrieben. Eine Aufforderung, der man sich kaum entziehen kann – kostet ja nichts. In der Leipziger Innenstadt drückt ein junger Typ Passanten die CD in die Hand. Ein Flugblatt würde in den nächsten Papierkorb fliegen.

Die Scheibe landet zu Hause im CD-Spieler. Eine Trompete trötet. Cis, H, A, Fis, ein punkiger Ska-Rhythmus setzt ein. Eine junge Stimme reimt. „Kack die Wand an, du bist ja wieder da. Ich hab’ gesagt, verpiss dich, wir spielen hier kein’ Ska.“ Das sei freilich ironisch zu verstehen, sagt der 17-jährige Johannes Ludwig, Sänger der Leipziger Band Die Coxx. „Wir wollen ja nicht in leeren Hallen auftreten.“
Das Werk II ist jedenfalls voll, eine Woche nachdem die Gruppe ihre CDs in der Innenstadt verteilt hat. Es ist Ende Januar, sieben Leipziger Schülerbands messen sich in der Vorrunde des sächsischen Bandclash-Wettbewerbs. „Kack die Wand an“ und so weiter – vor 900 Zuschauern. „Und mitten in der Masse pogender Teenies: unsere Eltern“, erzählt Schlagzeuger Philip Hebestreit. Bei dem Gedanken daran muss er lachen.


Kompakt
Genre: Punkrock mit deutschen Texten

Bandmitglieder: Johannes Ludwig (Gesang, Trompete), Jakob Junhold (Gitarre, Gesang), Dominik Gauglitz (Bass), Philip Hebestreit (Schlagzeug, Gesang)

Diskografie: Spiel mich (EP 2009); mit Fabian Williges: It Wasn’t Right, Really (EP 2008)

Konzerte: Bandclash-Finale, 7. März, 19.30 Uhr, Anker (Renftstraße 1); 28. März Dresden

Die Jury erklärt später die Indiecore-Band Soulscreen zu ihrem Favoriten. Aber das Publikum wählt Die Coxx; viele Zuschauer sind durch die Spiel-mich-CD zu Fans geworden. Beide Gruppen stehen nun am 7. März im Leipziger Anker im Finale – gegen zwei Dresdner Formationen, eine aus Chemnitz und eine aus Werdau. Der Erfolg sei ein „positiver Schub“, sagt Gitarrist Jakob Junhold. „Es ist schön, wenn so viele Menschen die Arbeit würdigen, die in der Musik steckt.“

Sein Lieblingswort heißt aber nicht „Arbeit“, sondern „Spaß“. „Selbst beim Wettbewerb wollten wir nicht in erster Linie gewinnen, sondern Spaß haben, den Leuten Spaß machen, es geht echt nur um den Spaß an der Musik“, sagt er. Seit zwei Jahren gelte das für Die Coxx, so lange existiert die Band in der jetzigen Besetzung. Und trotz aller Freude am Spaß leite sich ihr Name nicht von einem, nun ja, ziemlich vulgären englischen Ausdruck ab, beteuern die vier. Sondern von Jakobs erster Gitarre, die eine Firma dieses Namens gebaut hatte. Auch privat seien sie gute Freunde, ergänzt Philip Hebestreit. „Das lässt sich auf der Bühne sofort erkennen: Wir spielen die Musik – wir erarbeiten sie nicht.“

Jakob Junhold steuert den Großteil der Kompositionen bei. Und er formuliert auch, was – abgesehen vom Spaß – das Ziel der jungen Musiker sei. „Solange wir noch alle in Leipzig leben und zur Schule gehen, wollen wir so weit kommen, wie es nur geht.“ Der junge Mann hat einen Albtraum: „Ich möchte nicht mit 50 unsere alten CDs anhören und mich ärgern, dass wir nicht mehr daraus gemacht haben.“

Dass mehr daraus wird, darum kümmert sich nicht nur die Gruppe selbst. Als eine Art Coach fördert der Leipziger Musiker Fabian Williges die Jungs. Er lernte sie kennen, als er vergangenes Jahr im Soziokultur-Zentrum Die Villa eine Workshop-Reihe namens „Stattdiskothek“ anbot. „Ich rede ihnen nicht in die Musik rein“, sagt der 35-Jährige. „Aber wir sprechen Strategien durch, wie sie bekannter werden.“ Nach den ersten Erfolgen in der Heimatstadt solle der Fokus nun auf die Umgebung gerichtet werden. Nebenbei fungieren Die Coxx als Begleitband für Williges’ Solo-Projekt. Gemeinsam haben sie vergangenes Jahr eine EP mit drei Nummern des singenden Gitarristen aufgenommen.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Aber die Hauptsache bleibt der eigene Sound. In ihrem Proberaum in einer Leipziger Schule wollen Die Coxx weiter so einnehmende Refrain-Melodien wie in „Ich muss jetzt los“ einstudieren, eines der drei Spiel-mich-Lieder. Myspace-Wunder gibt es immer wieder. Aber auch die so originelle wie konventionelle Idee der vier, ihre Musik den Leuten materiell statt virtuell in die Hand zu drücken, könnte sich als vielversprechende Strategie erweisen. Zumindest war es für die Gruppe im Anschluss an die Aktion in der Innenstadt ein Leichtes, ihr Kontingent an 100 Tickets für die Bandclash-Vorrunde im Werk II zu verkaufen, das ihr die veranstaltende Kulturlounge überlassen hatte – mit dem bekannten Erfolg bei der Publikumswahl.

Bis zum Finale in anderthalb Wochen wollen die vier im Heimstudio ihres Schlagzeugers weitere Stücke einspielen, darunter ein brandneues. „Spiel mich“, Folge zwei, sozusagen. Und vielleicht trägt diese zweite CD dazu bei, dass Die Coxx den sächsischen Wettbewerb gewinnen und im Oktober zum Bundesfinale der „Local Heroes“ reisen. Es wäre ein enormer Karriere-Schritt. Aber wie war nochmal das Lieblingswort des Gitarristen? „Es ist nicht wichtig, wie wir im Anker abschneiden“, sagt er. „Wir wollen auf der Bühne und mit dem Publikum, äh – nur den Spaß.“

Mathias Wöbking

Folge 82 der Bandserie : Stylerkings



letzte Aktualisierung: 17.05.2011 14:24:57



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