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"Slipway Fires" ist im Kontext der Band ein sehr gutes Stück Musik und für alle bekennenden Razorlight-Fans auch jeden Cent der Investition wert. Wer dies negiert, vergleicht Äpfel mit Birnen, erwartet von einer Band, die für Pathos und große Bühne geboren scheint, dass sie ihren Anspruch, die größte und beste der Band der Welt zu sein, für das grundehrliche Gefühl des bewussten Scheiterns aufgibt. So wie das übrigens ihr verpeilter Kollege Pete Doherty seit Jahren vormacht, so wie das allen anderen Musikern ergeht, die lieber im staubigen Club an der Ecke anschreiben lassen wollen, als mit Getränkesponsor auf Welttournee gehen zu können. Underground for live - nicht mit Razorlight.
Ähnlich wie bei The Killers scheint es für Razorlight vor allem ein Motto zu geben: "Nur mehr ist mehr!". Im Gegensatz zu ihren Kollegen erscheinen Razorlight dabei zum Glück allerdings nicht wie ein rosaroter Kaugummi-Ballon, der glaubt, ein ernsthafter Beitrag zur Popgeschichte sein zu können. Razorlight sind einfach Razorlight. Perfektion wird in allen Belangen groß geschrieben, nichts dem Zufall überlassen. Wer Ecken und Kanten braucht, gelegentlich vielleicht ein Rauschen im Ohr zum Glücklichsein benötigt, wird am klaren Sound der Platte verzweifeln. Wer nichts gegen Klangräume in Super-Duper-Hifi, Stereoeffekte bis zur Ohnmacht und perfekt getimten Instrumentenklang hat, wird dagegen von "Slipway Fires" begeistert sein. In diese audiophile Perfektion sind die Slogans, Refrains und Instrumentalparts der Band messerscharf eingepasst, jedes Wort, jeder Ton scheint bei den Aufnahmen zur Platte im studioeigenen Windkanal auf überflüssigen Ballast getesten worden zu sein. Von Anfang bis Ende merkt man den schon erwähnten Anspruch der Band: die beste und größte aller Klassen zu sein.
Wie auf dem Reißbrett entstanden, haben die Herren Musiker auf "Slipway Fires" für jede Gefühlswallung den entsprechenden Song bereitgestellt - so sich denn die Gefühle auf Herzschmerz und Mitsinglust beschränken. So beginnt und endet das Album mit pathetisch überfrachteten Balladen ("Wire To Wire", "The House") und lassen sich diverse (ziemlich baugleiche) Popsongs entdecken, die im besten Fall auch hektische PopRock-Gemüter zufriedenstellen - wie etwa das hitverdächtige "Tabloid Lover". Im Gesamtbild ergibt das einen kurzweiligen Musiknachmittag, den man sich auch gut als Beschallung für gigantische Arenen und Stadien vorstellen kann. Nicht ohne Grund werden Razorlight seit langem als einzig legitime Nachfolger der latent vergreisenden U2 gehandelt. Ich persönlich wünsche mir, dass die Herren endlich in Bonos Fußstapfen treten können, damit es künftig niemand anderes geben muss, der dafür herhalten muss.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |