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Sein neuestes Album "Years Of Refusal" wird nun, bisher fast ohne Widerspruch, als Höhepunkt der jüngsten Entwicklung umjubelt und ruft dabei wieder zahlreiche persönlichen Morrissey-Initialzündungsgeschichten auf den Plan - die sich übrigens meist einzig auf den bis heute bekannten Smith-Smash-Hit "There's A Light That Never Goes Out" beschränken. Aber egal. Bleiben wir sachlich: Morrisseys neue Platte ist ganz nett, mehr aber auch nicht.
Augenscheinlichstes Merkmal von "Years Of Refusal" - neben oben schon erwähnter Egomanie, die meist ironisch verpackt, desöfteren aber auch ungeniert wie ein Abgleich von Gemächtgrößen auf der Männertoilette daherkommt - ist der insgesamt eher rockige Sound des Albums. Wie es scheint, durfte Morrisseys Band (erstmals) im Studio drauf losrocken, bis die Membrane glühten und auch in der Postproduktion wurde dieser mitreißende Gestus nicht etwa auf Zimmerlautstärke zusammengeschrumpft. Sogar der Meister am Mikro selbst wird gelegentlich vom Schlagzeug-Gitarren-Tornado im Hintergrund überdeckt, als stünde er im Zorro zwischen Bierflaschen auf der Bühne und suche den Kabelbruch im schwächelnden Gesangsverstärker.
Das "Problem" am neuen Rocking-Morrissey sind allerdings die mehrheitlich durchschnittlichen Kompositionen, die auch nicht mit einer Brise Extra-Brazz beim Gitarrenklang aufgewertet werden können. Schuster bleib bei deinen Leisten, heißt es so schön - oder - so einfach lässt sich ein Suedehead nicht mit Blitzkrieg Bop verkuppeln. Das soll allerdings nicht heißen, dass "Years Of Refusal" nicht auch gelegentlich zu begeistern weiß - wenn man die gehobene Langeweile zwischendurch ertragen kann. So reicht die erste Singleauskopplung "I'm Throwing My Arms Around Paris" etwa an das Hymnenhafte mancher Smith-Songs heran, spürt man bei den epischen, wirklich großen Songs "Ist Not Your Birthday Anymore" oder "You Were Good In Your Time" zusammen mit Morrissey den Schmerz der sich lichtenden Verklärung und genießt dabei jeden ironischen Unterton.
"Years Of Refusal" ist somit kein schlechtes Album, mit Blick auf die sonst im Pop-Segment angebotene Kost natürlich sogar ein ziemlich gutes. Gemessen am Anspruch des Künstlers und seiner Fans ist hierbei aber noch einige Luft nach oben.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |