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Morrissey - Years Of Refusal
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Fotos(3): Universal Music
Mit lebenden Legenden ist das so eine Sache. Je länger der wirkliche Grund für ihre Verehrung zurückliegt, umso unkritischer wird der Umgang damit und umso mehr Menschen wollen schon immer, von Anfang an, schon vor allen anderen im Antlitz der heutigen Legende erstarrt sein. Steven Patrick Morrissey ist solch eine Legende des Pop, die von Jahr zu Jahr immer mehr Menschen zu fundamentalen Glaubensbekenntnissen hinreißt.

Als Sänger der englischen Band The Smiths bestimmte Morrissey in den 1980er Jahren die Gefühlswelt zahlreicher pubertierender Heranwachsender mit Hang zum schüchternen Einzelgängertum, für die die Musik der Band und das gebildet-verzweifelnde mit zahlreichen Anspielungen versehene Gebaren des Sängers nicht weniger als sinnstiftend war. Im Sommer 1987 lösten sich The Smiths nach internen Herzens-Verstrickungen auf und Morrissey begann eine Solokarriere. Seither hat sich der inzwischen fast 50-Jährige mit jedem Album mehr und mehr weg vom schüchternen Wehklagen hin zum manisch selbstverliebten Dandytum entwickelt. Zwischenzeitlich schien diese, zweifelsohne sehr amüsante und begeisternde, Egomanie allerdings auch die einzig nennenswerte Eigenschaft seiner veröffentlichten Tonträger zu sein. Bis er dann vor fünf Jahren mit "You Are the Quarry" quasi endlich ein Comeback auch als ernstzunehmender Pop-Musiker feiern konnte.


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Sein neuestes Album "Years Of Refusal" wird nun, bisher fast ohne Widerspruch, als Höhepunkt der jüngsten Entwicklung umjubelt und ruft dabei wieder zahlreiche persönlichen Morrissey-Initialzündungsgeschichten auf den Plan - die sich übrigens meist einzig auf den bis heute bekannten Smith-Smash-Hit "There's A Light That Never Goes Out" beschränken. Aber egal. Bleiben wir sachlich: Morrisseys neue Platte ist ganz nett, mehr aber auch nicht.

Augenscheinlichstes Merkmal von "Years Of Refusal" - neben oben schon erwähnter Egomanie, die meist ironisch verpackt, desöfteren aber auch ungeniert wie ein Abgleich von Gemächtgrößen auf der Männertoilette daherkommt - ist der insgesamt eher rockige Sound des Albums. Wie es scheint, durfte Morrisseys Band (erstmals) im Studio drauf losrocken, bis die Membrane glühten und auch in der Postproduktion wurde dieser mitreißende Gestus nicht etwa auf Zimmerlautstärke zusammengeschrumpft. Sogar der Meister am Mikro selbst wird gelegentlich vom Schlagzeug-Gitarren-Tornado im Hintergrund überdeckt, als stünde er im Zorro zwischen Bierflaschen auf der Bühne und suche den Kabelbruch im schwächelnden Gesangsverstärker.

Das "Problem" am neuen Rocking-Morrissey sind allerdings die mehrheitlich durchschnittlichen Kompositionen, die auch nicht mit einer Brise Extra-Brazz beim Gitarrenklang aufgewertet werden können. Schuster bleib bei deinen Leisten, heißt es so schön - oder - so einfach lässt sich ein Suedehead nicht mit Blitzkrieg Bop verkuppeln. Das soll allerdings nicht heißen, dass "Years Of Refusal" nicht auch gelegentlich zu begeistern weiß - wenn man die gehobene Langeweile zwischendurch ertragen kann. So reicht die erste Singleauskopplung "I'm Throwing My Arms Around Paris" etwa an das Hymnenhafte mancher Smith-Songs heran, spürt man bei den epischen, wirklich großen Songs "Ist Not Your Birthday Anymore" oder "You Were Good In Your Time" zusammen mit Morrissey den Schmerz der sich lichtenden Verklärung und genießt dabei jeden ironischen Unterton.

"Years Of Refusal" ist somit kein schlechtes Album, mit Blick auf die sonst im Pop-Segment angebotene Kost natürlich sogar ein ziemlich gutes. Gemessen am Anspruch des Künstlers und seiner Fans ist hierbei aber noch einige Luft nach oben.

Matthias Puppe, leipzig-live.com


Weitere Informationen
Morrissey im Web
universalmusic.com
true-to-you.net
myspace.com
Tracklist

Something Is Squeezing My Skull
Mama Lay Softly On The Riverbed
Black Cloud
I'm Throwing My Arms Around Paris
All You Need Is Me
When I Last Spoke To Carol
That's How People Grow Up
One Day Goodbye Will Be Farewell
It's Not Your Birthday Anymore
You Were Good In Your Time
Sorry Doesn't Help
I'm OK By Myself

VÖ: 13. Februar 2009
Label: Universal Music

Kurzportrait

Vollständiger Name: Steven Patrick Morrissey

Genre: Pop

Diskographie: Viva Hate (1988), Kill Uncle (1991), Your Arsenal (1992), Vauxhall and I (1994), Southpaw Grammar (1995), Maladjusted (1997), You Are the Quarry (2004), Ringleader of the Tormentors (2006), Years Of Refusal (2009)



letzte Aktualisierung: 23.12.2009 14:17:39



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