Sachsens Narren in Feierlaune - Wirtschaftskrise trifft Vereine
Die Karnevalsvereine in Sachsen lassen sich die Feierlaune von der Weltwirtschaftskrise nicht vermiesen. Bei den Faschingspartys in Ballsälen und den rund 20 Straßenumzügen im gesamten Freistaat ist die Krise kein Thema, wie eine Umfrage ergab. Im normalen Vereinsleben schlagen sich die knappen Finanzen aber doch nieder, berichtete Günter Bührichen, Präsident des Verbandes Sächsischer Carneval. Das närrische Treiben lässt nicht mehr lange auf sich warten - in nicht einmal drei Wochen ist Weiberfastnacht. Zahlreiche sächsische Städte und Gemeinden sind dann während der „tollen Tage“ wieder fest in närrischer Hand.

„Politik spielt bei uns eher eine untergeordnete Rolle“, sagte der Vorsitzende des Radeburger Carneval-Clubs (RCC), Olaf Häßlich. „Wir gehen lieber in die Märchenrichtung, schön bunt und fröhlich.“ In Radeburg (Landkreis Meißen) findet traditionell der größte sächsische Karnevalsumzug statt, dieses Mal lautet das Motto „Zu Luft, zu Land, zur See auf Schatzsuche mit dem RCC“.

Am „Rosensonntag“ werden sich mehrere zehntausend Faschingsfans in den Straßen tummeln und die Einwohnerzahl vervielfachen, wenn bis zu 3000 Karnevalisten unter den typischen „Rabu“-Rufen durch die Stadt mit ihren knapp 8000 Bewohnern ziehen. 78 Gruppen haben sich beim RCC bereits angemeldet. Und die Zuschauer können so einiges erwarten: „Vor dem Inhalt des Umzuges kann sich sogar der Rosenmontagsumzug in Köln verstecken“, sagte der sächsische „Obernarr“ Günter Bührichen, der vor allem die Kreativität der Radeburger Jecken bei der Gestaltung der Umzugswagen lobt.


In Leipzig wollen die Narren zumindest die Politik und das „Superwahljahr 2009“ auf die Schippe nehmen. „Deutschland pokert um die Wahl, doch Leipzig feiert Karneval“, lautet dort das Motto. „In Leipzig haben die Familien den Umzug fest eingebucht“, sagte Heiko Seidel, der Vorsitzende des Förderkomitees Leipziger Karneval, der sich um geringe Zuschauerzahlen keine Sorgen macht. Im vergangenen Jahr schauten sich etwa 70 000 bis 80 000 Menschen den närrischen Umzug an, etwa 1000 Karnevalisten marschierten mit.

Dem Karneval kann sich auch die Politik nicht entziehen - und verlegt den Beginn der närrischen Tage einfach vor: Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) begrüßt bereits am 6. Februar eine Abordnung des sächsischen Karnevalverbandes in der Dresdner Staatskanzlei. Die Jecken präsentieren einen Auszug aus ihrem Programm „Wo gibts echten Karneval?“

Auch der Schifferverein im Kurort Rathen (Sächsische Schweiz) greift schon früher ins Faschings-Geschehen ein. Schon am 7. Februar steigt der große Umzug, an dem sich Matrosen und Steuerleute aus mehreren Gruppen und sogar Kinder in Matrosenanzügen beteiligen. Die Schifferfastnacht hat im Elbsandsteingebirge eine lange Tradition: Vor rund 100 Jahren mussten sich die Elbschiffer im Winter bei zugefrorenem Fluss die Zeit vertreiben - und die Schifferfastnacht war geboren.

Günter Bührichen vom Carnevalsverband hofft, dass das karnevalistische Leben in Sachsen noch lange anhält - derzeit schauen die Narren aber in eine ungewisse Zukunft. „Drei Vereine haben sich bereits abgemeldet, weil sie die Kosten nicht mehr stemmen können“, erzählte Bührichen. Derzeit zählt der Verband 185 Mitglieder. Zudem seien bereits seit dem Sessionsbeginn am 11. November die Zuschauerzahlen zurückgegangen. „Wir leiden nach wie vor unter dem Ost-West-Gefälle“, sagt Bührichen. Vor allem aus Ostsachsen ziehen junge Leute auf der Suche nach Arbeit in die westlichen Bundesländer. „Die kehren zu 90 Prozent nicht zurück.“ In einigen Jahren, so befürchtet Bührichen, könnten die Vereine Probleme bekommen, die Vorstände mit erfahrenen Karnevalisten zu besetzen.

Umfrage: Benedikt von Imhoff, dpa




letzte Aktualisierung: Freitag, 6. Februar 2009


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