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In Leipzig wollen die Narren zumindest die Politik und das Superwahljahr 2009 auf die Schippe nehmen. Deutschland pokert um die Wahl, doch Leipzig feiert Karneval, lautet dort das Motto. In Leipzig haben die Familien den Umzug fest eingebucht, sagte Heiko Seidel, der Vorsitzende des Förderkomitees Leipziger Karneval, der sich um geringe Zuschauerzahlen keine Sorgen macht. Im vergangenen Jahr schauten sich etwa 70 000 bis 80 000 Menschen den närrischen Umzug an, etwa 1000 Karnevalisten marschierten mit.
Dem Karneval kann sich auch die Politik nicht entziehen - und verlegt den Beginn der närrischen Tage einfach vor: Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) begrüßt bereits am 6. Februar eine Abordnung des sächsischen Karnevalverbandes in der Dresdner Staatskanzlei. Die Jecken präsentieren einen Auszug aus ihrem Programm Wo gibts echten Karneval?
Auch der Schifferverein im Kurort Rathen (Sächsische Schweiz) greift schon früher ins Faschings-Geschehen ein. Schon am 7. Februar steigt der große Umzug, an dem sich Matrosen und Steuerleute aus mehreren Gruppen und sogar Kinder in Matrosenanzügen beteiligen. Die Schifferfastnacht hat im Elbsandsteingebirge eine lange Tradition: Vor rund 100 Jahren mussten sich die Elbschiffer im Winter bei zugefrorenem Fluss die Zeit vertreiben - und die Schifferfastnacht war geboren.
Günter Bührichen vom Carnevalsverband hofft, dass das karnevalistische Leben in Sachsen noch lange anhält - derzeit schauen die Narren aber in eine ungewisse Zukunft. Drei Vereine haben sich bereits abgemeldet, weil sie die Kosten nicht mehr stemmen können, erzählte Bührichen. Derzeit zählt der Verband 185 Mitglieder. Zudem seien bereits seit dem Sessionsbeginn am 11. November die Zuschauerzahlen zurückgegangen. Wir leiden nach wie vor unter dem Ost-West-Gefälle, sagt Bührichen. Vor allem aus Ostsachsen ziehen junge Leute auf der Suche nach Arbeit in die westlichen Bundesländer. Die kehren zu 90 Prozent nicht zurück. In einigen Jahren, so befürchtet Bührichen, könnten die Vereine Probleme bekommen, die Vorstände mit erfahrenen Karnevalisten zu besetzen.
Umfrage: Benedikt von Imhoff, dpa |