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So leicht lässt sich das natürlich nicht beantworten, aber meine Vermutung lautet: Nein. Allerdings liegt das nicht an den Qualitäten von "Tonight: Franz Ferdinand" sondern, wie immer, an der Geschwindigkeit, mit der Musik-Trends derzeit entstehen und wieder verblassen. Ist man als gefeierter Newcomer nicht im vollen Umfang bereit, den Entwicklungen im eng gesteckten Zeitgeist Rechnung zu tragen, sieht man oftmals bald nur noch die Rücklichter der Begeisterung. Anhand einer langwierigen Suche der Band nach dem passenden Produzenten für ihr drittes Album lässt sich erahnen, wie sehr sie sich angestrengt haben mögen, zumindest die Rücklichter nicht allzu weit entschwinden zu lassen. Schlussendlich durfte Dan Carey ans Mischpult, der auch schon mit Hot Chip Großes geleistet hat.
Dem Mann an den Reglern entsprechend, wagt "Tonight: Franz Ferdinand" an manchen Stellen noch mehr als auf früheren Veröffentlichungen der Band den Schritt hin zum Groove. Nicht, dass Franz Ferdinand ihre Gitarren endgültig gegen russische Synthesizer getauscht hätten, aber dem fließenden, nach Dancefloor-Selbstdarstellung geifernden Rhythmus wird gelegentlich Schritt für Schritt mehr Raum gegeben. Am eindrucksvollsten gelingt dies beim End-1970er Discotizer "What She Came For" oder beim Höhepunkt der Platte "Lucid Dream" - einer achtmütigen Odyssey vom Shout-Out-Rock hin zum ekstatischen Technotrack.
Diese fortschreitende Groove-Affinität ist im schon bekannt wechselhaften Kosmos von Franz Ferdinand natürlich nur ein Baustein und so unternimmt die Band auch auf diesem Album zahlreiche Ausflüge in andere musikalische Richtungen. Für bisherige Fans kommt dabei sicher die erste Singleauskopplung "Ulysses" oder der breitbeinige Rocker "Bite Hard" zupass, die am ehesten an den großen FF-Hit "Take Me Out" erinnern mögen, allerdings nicht ganz dessen Eingängigkeit an den Tag legen. Dazu gesellt sich auf der Platte mit "Twighlight Omens" z.B. auch noch eine Art Sektglas-Pop, der mich an Filmmusik aus italienischen oder französischen Leinwandkomödien der 1980er Jahre erinnert und mit "Dream Again" eine gelungene Annäherung an klassisches Beatles-Songwriting.
Man ahnt es vielleicht schon: Die dritte FF-Platte mag alles sein, jedoch nicht langweilig. Auch beim fünften oder zehnten Mal Hören wird man etwas Neues, Amüsantes oder vielleicht Mitreißendes entdecken. Mit Blick auf die gänzlich aus anderen musikalischen Sphären entlehnten derzeitigen Floorfiller von Bonaparte, MGMT oder The Ting Tings sei allerdings dahingestellt, ob Franz Ferdinand im Haifischbecken heutiger Indie Discos noch längerfristig bestehen können.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |