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Sucht man das Besondere in der Musik von Ingrid Michaelson, wird man so leicht nicht fündig. Sie ist auf den ersten Blick eine dieser jungen Sängerinnen mit sanfter Stimme, spartanischer Instrumentierung und Gefühl für große Liedkunst. Wie auch Adele, Kate Nash, A Fine Frenzy oder Amy Macdonald übersetzt sie das Gefühl guter Folkmusik in eingängige Popsongs - mit gelegentlichen Seitenblicken in andere Genres. Bei Ingrid Michaelson gehen diese Blicke, wie zum Beispiel beim beschwingten "The Hat" zu hören, auch wunderbar in Richtung Country.
Dank ihrer überaus schönen Stimme und den harmonischen Gitarren- und Klavier-Klängen entsteht beim Hören von "Girls and Boys" ein intimes Gesamtbild, dem man sich mit Affinität für emotionale Liedkunst so leicht nicht entziehen kann. Ist man erst einmal drin, in ihrer musikalischen Welt, wird man entspannt getragen von Song zu Song, von der einen netten Geschichte zur nächsten und ehe man es sich versieht, sind die 12 Titel (inklusive Hidden Track) schon vorbei. Vielleicht wird man bei diesem Gleiten durch ihre Musik den einen oder anderen knalligen Höhepunkt vermissen, sich am nächsten Morgen fragen: "Welches Lied war jetzt eigentlich das Beste?". In Zeiten von einzelnen Download-Songs kann aber auch genau diese Erfahrung, mal wieder ein ganzes Album gut zu finden, enorm wohltuend sein.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |