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Anhand der arithmetischen Rahmenbedingungen - zwölf Songs in nicht einmal 40 Minuten - ist schon vor dem ersten Ton klar: Die Herren haben keine Zeit zu verlieren. Auf "Dancers an Architects" gibt es keine effekthascherischen Zwischenspiele oder Ego-Pausen, kein zig-faches Wiederholen von Refrains oder Slogans. Der Album-Opener "Teal Missing" beschleunigt während eines Wimperschlages von 0 auf 100, dann wird gerockt, was das Referenzsystem der Band so hergibt: Rhythm & Blues trifft Postrock trifft Disco-Licht trifft Glam-Exzess trifft Punkrock-Gestus.
Drei Minuten später ist man schon auf der nächsten Überholspur und bekommt hier noch weniger Zeit, sich am Wechselspiel von Hammondorgel und Rhythmusgitarre zu erfreuen. Alle im Albumtitel angesprochenen "Dancers" werden danach den stampfenden 4/4-Beat bei "Kill The Octaves" feiern und zum gigantischen Songfinale mit den schüchternen Eckenstehern ihre Armen ins Licht strecken. Wer die Band schon einmal live gesehen hat, wird das Gefühl in diesen Songs kennen. Alle anderen bekommen eine Vorstellung davon, welche Energie bei The Audience auf Bühne und Zuschauerraum entsteht. Denn zum Glück haben die Herren im Tonstudio jeglichen Technik-Schnickschnack unbeachtet gelassen, auf Perfektion keinen allzu großen Wert gelegt und somit die Unmittelbarkeit ihrer Musik bestmöglich auch für die Heim-Stereoanlage abgebildet.
So weit, so gut, so bekannt. Spätesten mit dem fünften Titel "Fusty Lines" offenbaren die Herren dann endlich auch den neu entdeckten Song-"Architekten" in sich. Im etwas gedrosselten Mid-Tempo erklingen Klangfarben, die in ihrer Ernsthaftigkeit und Eingängigkeit an die guten Phasen des Rock-Gigantismus der 1970er Jahre erinnern und zweifellos enormes Hit-Potential besitzen. Eine Steigerung dieser Idee hört man später noch auf dem womöglich besten Song des Albums: "A.M.".
Bis zum Schluss pendelt "Dancers and Architects" zwischen den angesprochenen Polen reißender Rock-Energie und erhabener Songwriter-Kunst weiter hin und her und ermöglicht so den Gesamteindruck eines ausgewogenen, gut durchdachten Longplayers, der jeglichen Respekt bei Publikum und Kritik verdient.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |