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Grace Jones - Hurricane
Fotos(3): Promotion Werft
Es ist ein Hauch von Wahnsinn, der Grace Jones umgibt. Mal gleicht sie einem Raubtier, das erst stillschweigend beobachtet und sich dann mit scheinbar exzessiver Gier ins Getümmel stürzt. Dann pendelt ihr Gemüt zwischen galanter Diven-Haftigkeit und rücksichtsloser Trotzigkeit, wie man sie - wenn überhaupt - sonst nur bei verzogenen Klein-Kindern beobachten kann.

Glaubt man den Interviews, die Miss Jones in diesen Tagen hier und da gibt, ist dass natürlich alles nur eine Fassade, die des Showstars im blendenden Licht der Kameras. Wenn überhaupt, dann sei dies einer gigantischen Portion Nonkonformismus geschuldet, die der inzwischen 60-Jährigen praktisch angeboren sei. Im Schlepptau dessen blitzte vor allem in den 1980er Jahren aber auch immer soviel künstlerische Genialität auf, dass Grace Jones seither als eine der wenigen, wahren Pop-Ikonen bekannt ist. Ob als androgynes Laufsteg- und Foto-Model, Muse, als Sängerin oder Schauspielerin - allein mit ihrer Präsenz schien alles große Kunst zu sein.

Ende der 1980er veröffentlichte sie ihr bisher letzten Studio-Album. Seitdem hat nicht nur die Welt einige Umdrehungen zurückgelegt, sondern hat sich auch die Musikwelt rapide verändert. Eigensinnige, scheinbar autonom agierende Ikonen, wie Grace Jones, sucht man heute mit der Lupe. Entsprechend rasend verbreitete sich in den vergangenen Wochen auch die Nachricht eines neuen Albums der gebürtigen Jamaikanerin in den Feuilletons und Musik-Magazinen. Zum Höhepunkt dieser, schon fast an die Preisung einer übernatürlichen Gottheit erinnernden Schaumkronen ist "Hurricane" - so der Titel - nun auch für die Allgemeinheit erhältlich.


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Wer anhand des medialen Vorspiels und des Albumtitels ein Werk mit epochaler Wirkung erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden. "Hurricane" ist keine Neuerfindung des Rades, kein Meilenstein der Musikgeschichte, kein brennender Komet am Firmament. "Hurricane" ist vielmehr eine überaus gut durchdachte, perfekt produzierte und jegliche Synapsen über und unter der Gürtellinie ansprechende Fortsetzung ihres schon in den 1980er Jahren gepflegten Prinzips der Vereinigung von Pop mit jamaikanischem Dub und Reggae.

Zusammen mit dem altbewährten Produzententeam Sly & Robbie, Familienangehörigen (Mutter und Sohn) sowie dem einen oder anderen Gaststern (z. B. TripHop-Altmeister Tricky) beigeistert Grace Jones nun erneut mit pathetisch-düsteren, fordernden, mitreißenden und vor allem atmosphärisch kaum zu übertreffenden Mid-Tempo-Monumenten. Auch wenn man das natürlich herausragend gute erste Video zur Single-Auskopplung "Corporate Canibal" noch nicht gesehen hat - mit seinen bedrohlichen, an Chris Cunningham erinnernden Latex-Metamorphosen - ist es beim Hören ein Leichtes, sich Grace Jones als jene extravagante Magierin vorzustellen, wie die Kunst sie immer liebte. Ganz einfach, weil ihre musikalische Posen noch immer so fulminant sind, dass die visuellen, vor dem inneren Auge entstehenden regelrecht mitgeliefert werden.

In diesem Sinne ist "Hurricane" auch kein klassisches Comeback-Album, das sich erst einmal wieder an das Publikum herantasten und an vergangene Großtaten erinnern will. "Hurricane" zeigt Grace Jones in ihrer ganzen künstlerischen Größe, die weithin ihresgleichen sucht und die von ihrem Glanz seit zwanzig Jahren keinen Deut eingebüßt hat. Kurzum: Spätestens jetzt hat sie beweisen, wie zeitlos ihre Kunst eigentlich ist.

Matthias Puppe, leipzig-live.com


Weitere Informationen
worldofgracejones.com
myspace.com
Tracklist

This Is
Williams' Blood
Corporate Cannibal
I'm Crying (Mother's Tears)
Well Well Well
Hurricane
Love You To Life
Sunset Sunrise
Devil In My Life

VÖ: 7.11.2008
Label: Wall of Sound / Rough Trade

Kurzportrait

Geburtsname: Grace Mendoza

Genre: Pop, Dub, Reggae

Diskographie: Portfolio (1977), Fame (1978), Muse (1979), Warm Leatherette (1980), Nightclubbing (1981), Living My Life (1982), Island Life (1985), Slave To The Rhythm (1985), Inside Story Manhattan (1986), Bulletproof Heart (1989), Hurricane (2008)



letzte Aktualisierung: 14.03.2011 13:05:46



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