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Wer anhand des medialen Vorspiels und des Albumtitels ein Werk mit epochaler Wirkung erwartet, wird vielleicht enttäuscht werden. "Hurricane" ist keine Neuerfindung des Rades, kein Meilenstein der Musikgeschichte, kein brennender Komet am Firmament. "Hurricane" ist vielmehr eine überaus gut durchdachte, perfekt produzierte und jegliche Synapsen über und unter der Gürtellinie ansprechende Fortsetzung ihres schon in den 1980er Jahren gepflegten Prinzips der Vereinigung von Pop mit jamaikanischem Dub und Reggae.
Zusammen mit dem altbewährten Produzententeam Sly & Robbie, Familienangehörigen (Mutter und Sohn) sowie dem einen oder anderen Gaststern (z. B. TripHop-Altmeister Tricky) beigeistert Grace Jones nun erneut mit pathetisch-düsteren, fordernden, mitreißenden und vor allem atmosphärisch kaum zu übertreffenden Mid-Tempo-Monumenten. Auch wenn man das natürlich herausragend gute erste Video zur Single-Auskopplung "Corporate Canibal" noch nicht gesehen hat - mit seinen bedrohlichen, an Chris Cunningham erinnernden Latex-Metamorphosen - ist es beim Hören ein Leichtes, sich Grace Jones als jene extravagante Magierin vorzustellen, wie die Kunst sie immer liebte. Ganz einfach, weil ihre musikalische Posen noch immer so fulminant sind, dass die visuellen, vor dem inneren Auge entstehenden regelrecht mitgeliefert werden.
In diesem Sinne ist "Hurricane" auch kein klassisches Comeback-Album, das sich erst einmal wieder an das Publikum herantasten und an vergangene Großtaten erinnern will. "Hurricane" zeigt Grace Jones in ihrer ganzen künstlerischen Größe, die weithin ihresgleichen sucht und die von ihrem Glanz seit zwanzig Jahren keinen Deut eingebüßt hat. Kurzum: Spätestens jetzt hat sie beweisen, wie zeitlos ihre Kunst eigentlich ist.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |