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Jetzt kommt der Rest der Welt
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Foto: Band
Myspace
Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 67 porträtieren wir 24 Mirrors, die heute Abend im Werk II auftreten.

Auf den ersten Blick wirken 24 Mirrors recht gothy. Schwarze Sachen, ernster Blick, diverse Accessoires: Anfangszwanziger, wie man sie eher auf dem Wave Gotik Treffen als bei der Love Parade sieht.
Vor knapp zwei Jahren beschloss Gitarrist Vicco69, eine Band zu gründen. In Richtung Dunkel-Rock sollte es gehen, die musikalischen Vorstellungen waren deutlich finnisch geprägt. Schnell fanden sich im persönlichen Umfeld Interessierte, man begann, im Probenraum ein wenig zu jammen. Missii van Miro (schade eigentlich, dass sie nicht wirklich so heißt) steckte auf der Suche nach einer Bekannten mal den Kopf herein, wurde zwanglos ans Mikro gebeten und im Anschluss sofort engagiert. Bei der allerersten und böswilligen Gerüchten zufolge sehr ausgiebigen Bandparty traten offenbar gehäuft Doppelungseffekte in der Optik der Musikanten auf. Es fand sich bei dieser Gelegenheit der Name für die Unternehmung: 24 Mirrors – die Sehstörungen müssen weitreichend gewesen sein.

Kompakt
Genre: Goth ’n’ Roll

Bandmitglieder: Missii van Miro (Vocals), Vicco69 (Guitar), The SaSa (Guitar), Tom (Bassguitar), DaveZ: Drums

Diskografie: noch Fehlanzeige

Nächste Auftritte: 14. November im Anker (21 Uhr)

Der Bandklang formte sich erst allmählich. Man fand zusammen und lief auseinander, es gab einige Umbesetzungen, bis sich der jetzige Stamm gefestigt hatte. „When darkness falls, we are around …“ formulieren sie auf der Myspace-Präsenz so etwas wie einen Leitspruch. Doch der täuscht ein wenig: Das stilistische Tendenzpendel hat sich längst vom Goth-Rock der reinen Lehre weg bewegt und schlägt mächtig aus in Richtung Ruppigkeit des Punk. In ihren Konzerte covern sie Songs von The Cure und Depeche Mode ebenso wie Stücke der göttlichen Ramones und der leider fast vergessenen Bates. Das zeigt die Bandbreite.

Ohne, dass sie direkte Vorbilder nennen, liegt ein bestimmter Vergleich einigermaßen nahe, zumal der Kunstname des Bandgründers einen eindeutigen Hinweis gibt: Diese Mischung aus dreckigem Rock ’n’ Roll mit Punkeinschlag auf der einen und einem starken Hang zur Dunkelgotik auf der anderen Seite gibt’s es auch bei der finnischen Band 69Eyes, die den Goth ’n’ Roll eigentlich erfunden hat.

Ein erklärtes Vorbild haben sie jedoch ebenso wenig wie ein festes stilistisches Ziel. In ihrer Musik lassen sie sich einfach von ihren Stimmungen treiben. Und so kommen sie mal bei stampfendem Rock, mal bei wütendem Punk – und dann aber auch wieder bei einer schmachtenden Ballade an. 24 Mirrors wollen sich keinem bestimmten Klischee unterwerfen. Sie bedienen einfach alle.

Ihre Musik soll transparent bleiben, sie wollen keine Künstlichkeiten, ein gutes Riff kann mehr sagen als zehn verschachtelte Kunstlieder. Genau auf die Zwölf sollen die Tracks kommen; was man in einem Drei-Minuten-Song nicht vermitteln kann, schafft man auch in einem Viertelstunden-Epos nicht. Was keineswegs heißt, dass alles betont simpel klingen soll. Seit Kurzem ist Zweitgitarrist SaSa mit von der Partie, der brachte Gitarrenkraft und solistische Hochgeschwindigkeit direkt von seiner Metallica-Cover-Band mit ins Geschehen.

Mit zwei Gitarren lassen sich eine Menge Effekte erzielen, jetzt gibt’s Rhythmusdruck und Melodie gleichzeitig. Drummer DaveZ verprügelt die Felle auch noch bei den Melodic-Metallern von Roses On Dust, die zusammen mit 24 Mirrors heute in der Open-Stage-Reihe im Werk II auftreten. Die 24 Spiegel sind allen aber das Wichtigste.


Bandserie
Weitere Bands im Portrait

Im Moment sparen sie eisern. Nix mehr mit ausschweifenden Feiern, jeder Cent wandert in die Bandkasse bis sie endlich die Miete für ein Studio zusammen haben. Sicher kann man heutzutage viel mit Homerecording am Rechner machen, aber die Jungs schwören auf das Gefühl sensibler High-End-Mikros in einem richtigen Klangraum.

„Mit dem Ehrgeiz und Elan, den wir in die Band investieren, könnten wir uns sogar vorstellen, dass das alles hier zur Lebensaufgabe wird!“ sagt Missii selbstbewusst. Sie meinen es tatsächlich sehr ernst mit dem Spaß an ihrer Musik. In Leipzig haben sie vom Trixom bis zum Anker, vom Geyserhaus bis zum Werk II die einschlägigen Locations bespielt, dank eines Konzertes auf dem Dach des ehemaligen Uni-Hochhauses sind sie noch immer Leipzigs höchste Band. Nun muss der Rest der Welt erobert werden. 24 Mirrors sind bereit. Zieh dich warm an, Ville Valo!

Peter Matzke

Folge 68 der Bandserie: Der Elegante Rest



letzte Aktualisierung: 05.11.2008 15:50:44



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