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Die Flucht aus der Laptop-Falle
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Foto: Band
endlos-toene.de
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Die Musikszene der Stadt ist lebendig wie lange nicht. Das belegt unsere Serie über Leipziger Bands. In Folge 65 porträtieren wir das Duo Endlos, das sich von Elektro-Fricklern zum Bandprojekt entwickelt hat.

Die Einordnung „Großes Kino“ darf man bei Daniel Graumüller und Mario Kreuzer, die das Duo Endlos bilden, guten Gewissens verwenden. Ihr Stück „Es wächst uns über den Kopf“ ist bereits auf einem Soundtrack vertreten. Dabei handelt es sich nicht um die Musik für irgendeinen B-Movie, den lediglich ausgebuffte Kinofans kennen, sondern um Detlef Bucks bekannten Milieu-Film „Knallhart.“

Ihr Song befindet sich dabei in guter Gesellschaft, denn neben Endlos sind auf dem Silberling Topkünstler der Indie-Szene wie Trail of Dead, Beck, The Kills oder die Beatsteaks zu hören. Nicht schlecht also und mehr als ein bisschen ungewöhnlich für eine Leipziger Band. Auch wenn bekanntlich jede Combo für sich beansprucht, etwas Besonderes zu sein und einen eigenen Weg zu gehen, gilt dies bei Endlos tatsächlich.


Kompakt
Genre: Instrumental-Pop

Bandmitglieder: Daniel Graumüller (Elektronika, Gitarre, Melodika), Mario Kreuzer (Elektronika, Melodika, Glockenspiel), live zudem Johannes Russ (Gitarre, Bass), Tobias Weber (Schlagzeug)

Diskografie: Stunde Anderthalb (2000), Tage im Schall (2001), Zustand Abstand (2002), Zwischenstop (2002), Das musste ja so kommen (2004), Das musste ja so kommen EP (2006), Kein Grund zufrieden zu sein (2006), Kein Grund Zufrieden zu sein Live-EP (2007), „Es wächst uns über den Kopf“ ist auf dem Soundtrack zu „Knallhart“ vertreten (2006).

Nächste Auftritte: erst im Frühjahr 2009

Ihre Geschichte wurzelt im Jahr 1998, im thüringischen Zeulenroda. Am Anfang stand bei den zwei Schulfreunden das Bedürfnis, Musik am Computer zu machen. Beeinflusst von elektronischen Stilrichtungen wie Techno und Drum ’n’ Bass entstanden Sounds, die zwar von Tanzmusik inspiriert, trotzdem eher zum Zuhören geeignet sind. Bald folgten erste Live-Sessions in Städten wie Zeulenroda, Plauen oder Gera. Da sich das Konzept als Elektronik-Duo hinter Rechnern und Synthesizern sitzend als suboptimal herausstellte, entwickelten die Zwei die Idee, das Line-Up für Live-Gigs zu erweitern und als Band aufzutreten – auch um der Gefahr zu entgehen, als langweiliger Laptop-Act zu enden. Graumüller berichtet: „Anfangs haben wir, ähnlich wie DJs, unsere Geräte auf einem Tisch aufgebaut. Als wir während eines Auftritts gefragt wurden, ob wir nicht lieber Die Ärzte auflegen könnten, haben wir uns gesagt: Es reicht! Von da an kümmerten wir uns darum, Schritt für Schritt eine Band aufzubauen und die Lieder so zu arrangieren, dass wir die auch mit anderen Musikern live spielen können.“

Das war im Jahr 2003, und Endlos mutierten zur Formation mit Schlagzeug und Gitarre. „Wir sind dabei sicher nicht die typischen Überzeugungstäter“, schätzt Kreuzer, „aus unserer Sicht gibt es unsere Musik auch nicht unbedingt her, eine Show abzuziehen. Uns ging es darum, den Zuschauern deutlich zu machen, dass tatsächlich etwas live an den Instrumenten gemacht wird.“

Aus dem Duo, das es studienbedingt kurz darauf nach Leipzig verschlägt, wird live durch die Unterstützung von Johannes Ruß an der Gitarre und Tobias Weber am Schlagzeug ein Quartett. Auch wenn die zwei Bandgründer weiterhin den festen Endlos-Kern bilden, geht es nicht darum, die am Rechner entstandenen Stücke im Maßstab eins zu eins umzusetzen, wie Graumüller mit leuchtenden Augen berichtet: „Das Schöne ist, dass das Lied sprichwörtlich weiter lebt. Wenn es nur auf den Maschinen stattfindet, ist es genauso, wie wir zwei uns das ausgedacht haben.“ Durch die Live-Umsetzung haben sich zwangsläufig viele Stücke verändert. Gitarrist Ruß kommt aus dem Jazz und der Schlagzeuger aus dem Metal. Beide arbeiten sich in die Elektronik rein und bringen eigene Impulse mit. „Das ist das Gute für uns, da auch unser Horizont geöffnet wird und wir nicht nur auf Elektronik reduziert sind.“


Bandserie
Weitere Bands im Portrait
Eine gewisse Melancholie und eingängige Melodien machen die Musik aus, die einen schnell in die sprichwört- liche Endlos-Stimmung eintauchen lässt. Wie es der Bandname beschreibt, entwickelt sich die Machart zwischen Elektronik-Gefrickel und instrumenta- len Indierock episch, wobei die ersten Ideen fast immer zu Hause am Rech- ner entstehen, wenn sie in der rich- tigen Stimmung dafür sind. „Jeder macht für sich seine Musik zu Hause“, erzählt Kreuzer. „Wenn die Ideen weit genug entwickelt sind, stellen wir uns die Stücke gegenseitig vor. Wir haben schon häufiger probiert, zusammen zu schreiben, aber das funktioniert so nicht.“

Auch wenn Endlos eher zurückhaltend an die Öffentlichkeit treten, geht es auf der Erfolgsleiter Stufe für Stufe hinauf. Ein neues Album ist in Arbeit, das im kommenden Frühjahr fertig werden soll. Dann wollen sie auch wieder verstärkt live auftreten. Wer einen Eindruck bekommen will, kann sich beim Leipziger Online-Label One-Bit-Wonder und auf der Website der Band Stücke runterladen.

Michael Wallis

Folge 66 der Bandserie: Palestar.



letzte Aktualisierung: 22.10.2008 11:41:46



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