| Kompakt |
 |
Genre: Hiphop
Crew-Mitglieder: Marcelemcy (MC, Produzent), Mr. T-Rox (DJ)
Diskografie: Auf Dich Zu (EP 2003), Akupunktur (Tape 2003), Akupunktur-Refresh (Sampler 2003), Features auf dem Stylerkings-Album Die Ära beginnt (2005) und auf dem DJ-Skala-Sampler All Inclusive 3 (2007)
Auftritt: 21. September, 19.30 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9), Moderation des Freestyle-Battles Slam- Linez im Rahmen des Macht-Musik-Festivals, Anmeldung für Rapper: battle@educationgroup.de |
 |
 |
|
Eine Kassette seines Vaters führte ihn damals zu der neuen Musik-Leidenschaft. Was er nicht ahnte: Als Graffiti-Sprüher gehörte er der Hiphop-Gemeinde längst an. Auch jetzt noch bestimmt das Genre seinen Alltag über das eigentliche Musikmachen hinaus. Der Mann ist im Hiphop-Stress, will man sich mit ihm verabreden, vertröstet er einen auf die folgende Woche und schlägt einen konkreten Tag um acht Uhr morgens vor. Da könnte noch eine Stunde frei sein. Oder um die Mittagszeit. Er kommt dann vom einen Job als Streetworker für den Jugendhaus-Leipzig-Verein und muss gleich zum nächsten Auftraggeber weiterziehen: An einer Förderschule im Norden der Stadt unterrichtet er Graffiti und Rap.
Ein Stino-Leben, sagt er, stinknormal. Er grinst. Ich bin mit Hiphop erwachsen geworden. Seit 14 Jahren ist er mit derselben Frau zusammen, sie haben eine zweieinhalbjährige Tochter. Priorität hat für Heinrich, seine Familie zu ernähren. Nebenbei versucht er, so viel Zeit wie möglich fürs Musikmachen zu finden. Darüber rappe ich in den neuen Songs. Ich mache Musik für die Bald-30-Jährigen, denen es genauso geht. Für Leute, für die Hiphop nicht nur eine Jugendbewegung unter vielen ist, in die sie zufällig geschlittert sind, Leute, denen das Hiphop-Ding als Erwachsene noch genauso viel bedeutet wie eh und je. Für mich ist Hiphop Liebe, Leidenschaft, Lebensinhalt, sagt Heinrich.
Dass es so ist und bleibt, war ihm nicht immer klar. Der Hype um den Berliner Aggro-Rap vor ein paar Jahren ging ihm furchtbar auf die Nerven. Da hat mich das Ganze abgetörnt. Das änderte sich erst, als er diese Kultur vor zwei Jahren für seine Diplomarbeit über Hiphop in der Jugendarbeit wissenschaftlich beleuchtete. Da habe ich mich neu in den Hiphop verliebt. Selbst die Aggro-Spielart erkenne er mittlerweile an.
Seit 1996 nennt sich Marcell Heinrich Marcelemcy. Seit fünf Jahren hat er kein Album mehr veröffentlicht, und doch ist dieser Name in der Leipziger Szene noch immer eine große Nummer. Hits wie Bounce zu dem Rhythmus oder seine Leipzig-Stücke Leipzig dreht am Rad und Leipzig meine Stadt haben die Pause überdauert.
Seinen Ruf erarbeitete er sich zunächst mit drei Freunden als Microphoenix. Die Crew machte durch ausgefallene Freestyle-Raps auf sich aufmerksam. Seit der Trennung im Jahr 2000 sieht sich Marcelemcy als Solo-Künstler und auch wieder nicht: Seit 2003 arbeitet er regelmäßig mit Mr. T-Rox zusammen. Der DJ, der auch zum Sooshee-Projekt gehört, bastelt Klänge unter Marcelemcys Reime, die auf eigentümliche Weise zugleich mitreißen und entspannen. Brotherhood, erklärt Heinrich und klopft sich aufs Herz. Auch mit seinem ehemaligen Microphoenix-Mitstreiter Patrick Seifried alias Patrick 23, der heute zu dem Stylerkings gehört, arbeitet er häufig zusammen, vor allem jedoch in Rap-Workshops für Jugendliche. Weitere Weggefährten sind ÜBK und die menschliche Beatbox Janek Wiatrowski alias J.A.K. the Ripper. |