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TV-Gaumenfreuden in 120 Metern Höhe - "Unter Volldampf" dreht in Leipzig
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Foto: Annett Riedel
Die TV-Sendung "Unter Volldampf" ist das, was man als Publikumsrenner bezeichnen kann. Bis zu 2,52 Millionen Zuschauer schalten jeden Abend ein, wenn fünf Hobbyköche eine Woche lang in einem Gourmetrestaurant für 20 Stammgäste ein professionelles Vier-Gänge-Menü kochen. Die Gäste bewerten jeden Gang und der Kandidat mit der höchsten Durchschnittswertung gewinnt 3000 Euro. Zum ersten Mal wurde jetzt in der Messestadt gedreht. Fünf Abende lang stellten sich fünf Leipziger im Restaurant "Panorama Tower" der Herausforderung. Drei Kamerateams filmten dabei sowohl die Kandidaten in der Küche als auch die Geschmacksprobe im Restaurant. LVZ-Online-Mitarbeiterin Annett Riedel war eingeladen, am Abschlussabend Jury zu spielen.

Wir sind pünktlich. Kurz vor 18 Uhr entsteigen meine zwei Begleiter und ich in der 29. Etage des City-Hochhauses dem Fahrstuhl. Ein freundlicher junger Mann erklärt uns, dass wir heute Gäste einer Fernsehsendung sind und dass Kameras, Scheinwerfer und Mikrofone den ganzen Abend jede einzelne unserer Regungen TV-gerecht in Szene setzen. Wir bestätigen mit unserer Unterschrift.

Tischweise werden wir ins Restaurant geführt, wo uns Managerin Berit Erler, Kandidat Martin und ein Kamerateam begrüßen. Zwei weitere Aufnahmecrews sind bereits in der Küche bei den Köchen aktiv. Martin Kirchgatter, 29 Jahre, Restaurantfachmann aus Leipzig hat die letzten vier Tage am Herd geschwitzt, muss heute jedoch im Service ran und kann daher keine Punkte mehr einfahren. Sympathiebonus zählt nicht.

Alle 20 Gäste sind platziert und Friederike tritt auf den Plan. Die Realisationsassistentin schwört uns ein. "Keine Handys, keine Fotos, nicht in die Kamera winken und bitte so natürlich, wie möglich verhalten". Vor allem, wenn das TV-Team nach jedem Gang von Tisch zu Tisch zieht und die Meinung der Gäste einholt. Es gilt, Konsistenz, Farbe, Geruch und Geschmack eines jeden Gerichts zu bewerten. Ebenso die Präsentation. Sind die Komponenten kunstvoll aufgetürmt oder lieblos auf den Teller gekellt worden? Bewertet wird nach einem Punktesystem von Null bis Zehn, von mies bis grandios. Die Punkte schreibt jeder Gast auf ein Kärtchen und es gewinnt das Gericht mit der höchsten Durchschnittswertung.


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Foto: André Kempner
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Die Vorspeise "Irish Stew" trägt den Sieg heute sicher nicht davon. Der Tischnachbar findets "solide, aber nicht passend für die Jahreszeit". Sieben Punkte. Mein Gegenüber vergibt sechs Punkte, wie er, im von Friederike gewünschten "vollständigen Satz" der Kamera mitteilt und anschließend im geschwungenen Bogen auf dem Bewertungskärtchen notiert. Der Zwischengang - "mariniertes Schweinefilet im Blätterteigmantel auf lauwarmem Rotkohlsalat" - kommt an unserem Tisch punktemäßig besser weg. Vor allem der mit Orangenzesten aromatisierte Rotkohl überrascht.

Dann, ein Zwischenfall. Im Raum klingelt ein Mobiltelefon. Böse Blicke zum Übeltäter: Es ist der Kameramann. Allgemeines Gelächter und aus dem Hintergrund ruft es "Aber hallo!". Der Nachbartisch fordert eine Lokalrunde.

Mittlerweile ist es halb neun. Der Hauptgang "Entenbrust mit Granatapfelsoße an Safranreis" braucht noch etwas Zeit. Zeit, die Martin jetzt hat, um mit den Gästen zu schwatzen. Anfang 2006 war er bereits Kandidat der Schwestersendung "Das perfekte Dinner", belegte hier sogar den zweiten Platz. Mit seinen Mitstreitern von damals trifft er sich heute noch.

Dieses Mal rechnet sich Martin mehr aus: den Wochensieg und das damit verbundene Preisgeld vom 3000 Euro. Die Chancen stehen nicht schlecht. Seine Gerichte wurden zumindest von Chefkoch Sven Krieg immer hoch bewertet. Aber nicht immer vom Publikum. Dass die Gäste vor zwei Tagen seine gebratenen Jakobsmuscheln schlechter bewerteten als das Dessert "Sorbet mit Obstler", wurmt Martin heute noch.


Nach dem Hauptgang - Nikotinpause. Die meisten Gäste - egal ob Raucher oder Nichtraucher - zieht es eine Etage höher auf die Aussichtsplattform. Auch vom Fernsehteam gönnt sich der ein oder andere einen schnellen Zug und den fantastischen Ausblick auf die nächtliche City Leipzig.

Friederike und Martin kommen ins plauschen. Seit Dezember letzten Jahres ist die Kölnerin mit "Unter Volldampf" quer durch die gesamte Republik unterwegs. Auch beim Dreh in Potsdam - bisher die einzige ostdeutsche Stadt, in der die Sendung schon gastierte - war die Mittzwanzigerin dabei. Nach Leipzig geht's erst mal wieder heim ins Rheinland. Bürowoche. Dann wieder eine Woche drehen - immer im Wechsel. Ob sie unsere Aussagen denn auch verstehe, will ein Gast wissen. Der sächsischen Mundart wegen. Ein anderer sorgt mit seinem Vorschlag, man könne bei der TV-Ausstrahlung ja zur Not Untertitel einblenden, für Gelächter.

Nach 15 Minuten holt uns Friederike mit einem energischen "Jetzt alle bitte wieder runterkommen!" zurück ins Schweinwerferlicht. Das Dessert ist noch nicht abgefilmt.

Die angekündigten "Marillenknödel im Pflaumenbaum" werden auch prompt serviert. Statt der angekündigten Marillen sind die Knödel jedoch mit Mirabellen gefüllt. Oder Zwetschgen? Oder sollten Zwetschgen drin sein, aber jetzt sind Marillen eingebacken? Kellner Martin ist nicht ganz sicher und variiert von Tisch zu Tisch seine Entschuldigung.

Egal, die Füllung schmeckt, so man denn welche abbekommen hat. Meine Begleitung hat keine. So sehr er den Kloß auch hin- und herwälzt, zerteilt, im Teig stochert: kein Pfläumchen weit und breit. Das bestätigt auch der Kameramann, der beharrlich draufhält - mal auf den Teller, mal auf das fragende Gesicht des Gastes. Das Corpus delikti wird sofort ausgetauscht.

Mir hat das Dessert gemundet, das bestätige ich auch Friederike und dem Kamerateam. Dafür male ich gerne acht Punkte auf mein Bewertungskärtchen. Am Nachbartisch raunt ein Herr gar etwas von "Höhepunkt des Abends" ins Mikrofon.

Mittlerweile ist es fast 22 Uhr. Alle Gäste sind satt und zufrieden. Auch Friederike freut sich. Darüber, dass wir so gut mitgemacht haben, und sie so viele tolle Statements bekommen hat. Gleich folgt die Siegerehrung. Applaudieren müssen wir aber bitte schon jetzt. Also so klatschen 20 Gäste gefühlte zehn Minuten nach Anweisung von Friederike - und die Szene ist im Kasten.

Zur Siegerehrung gegen 22.30 Uhr sehen wir zum ersten Mal die anderen Kandidaten: Christiane Donath, Gitte Vogel-Sirin, Sabine Meinel und Peter Schäfer haben die letzten Stunden in der Küche Blut und Wasser geschwitzt - gemeinsam mit Chefkoch Sven Krieg. Der hat die ehrenvolle Aufgabe, heute sowohl den Tagessieger als auch den Wochengewinner zu verkünden. Wer schlussendlich den Pott mit den 3000 Euro mit nach Hause nehmen kann, das darf erst in sechs Wochen verraten werden - zur TV-Ausstrahlung der Leipzig-Ausgabe von "Unter Volldampf" vom 22. bis 26. September täglich bei Vox.

Vielleicht hat ja tatsächlich Martin abgeräumt. Wobei: In einer ruhigen Minute zwischen zwei Gängen steckte uns der 29-Jährige, dass die Chancen auf einen Gesamtsieg für ihn schlecht stünden: "Ich habe momentan Glück in der Liebe". Auch dazu kann man ja ruhig gratulieren.

Annett Riedel, leipzig-live.com



letzte Aktualisierung: 15.08.2008 16:55:38



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