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"Elegy oder die Kunst zu lieben" - Intimer Blick auf Ausnahme-Liebe
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Foto: (c) TOBIS Film
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Der alternde aber noch überaus attraktive und umschwärmte Literatur-Professor David Kepesh (Ben Kingsley) hat immer die gleiche Masche: Zum Semesterabschluss lädt er zu einer kleinen Feier in sein schickes New Yorker Appartement ein. Unter seinen begeisterten Ex-Studentinnen findet sich immer eine, mit der er eine kurze und unverfängliche Affäre haben kann. Das ändert sich, als die wunderschöne Consuela Castillo, gespielt von der bezaubernden Penélope Cruz, in seiner Vorlesung auftaucht. Eine leidenschaftliche und ebenso traurige Liebesgeschichte beginnt. Isabel Coixet hat den Roman "Das sterbende Tier" von Pulitzer-Preisträger Philip Roth großartig und sehr einfühlsam verfilmt. Bei der diesjährige Berlinale feierte das Publikum "Elegy oder die Kunst zu lieben" begeistert.

Dabei sind Romanvorlagen von Roth keinesfalls ein Selbstläufer. Sind es bei dem umstrittene Autor doch allzu oft alternde und vor Männlichkeit strotzende Intellektuelle, die sich in eine viel jüngere Frau - mehr oder weniger unglücklich - verlieben. Nicht ganz unbegründet sehen die Kritiker in den Figuren das Alter Ego des Schriftstellers. Umso interessanter - und gelungener - ist der weibliche Blick der spanischen Regisseurin Coixet, die mit "Mein Leben ohne mich" (2003) und "Das geheime Leben der Worte" (2005) international für Furore gesorgt hat. Denn dieser Blick ist trotz der vielen schönen Menschen und stilvollen Bildern alles andere als voyeuristisch. Ohne wirklich Partei für eine ihrer beiden Hauptpersonen zu ergreifen, erzählt sie die Geschichte dieser unglücklichen wie auch intensiven Beziehung.


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Foto: (c) TOBIS Film
Der Film im Web
Professor Kepesh ist seit jeher die Bewunderung seiner Studentinnen gewöhnt und genießt sie. Seine Vorliebe für unverbindliche Affären teilt er mit seinem besten Freund und Kollegen George O’Hearn, gespielt von Dennis Hopper. Trotz seiner Ehe zählt Treue nicht gerade zu seinen Tugenden. Stattdessen tauschen sich die beiden Schwerenöter beim regelmäßigen Squashspiel und bei Cafébesuchen über ihre neuesten Eroberungen aus.

Neben diesen gelegentlichen Abenteuern pflegt Kepesh seit 20 Jahren die Beziehung zu seiner ehemaligen Studentin Carolyn (großartig: Patricia Clarkson), die immer zu einem Schäferstündchen kommt, wenn sie gerade beruflich in New York zu tun hat. Dank der beidseitigen Bindungsunwilligkeit leben die beiden prächtig mit diesem Arrangement. Und dann ist da noch der 35-jährige Sohn Kepeshs (Peter Saarsgard), selbst erfolgreicher Klinikarzt, der seinem Vater nie verziehen hat, dass er ihn und seine Mutter verlassen hat.


Doch dann taucht Consuela auf und Kepesh - wie das Publikum auch - verfällt der charismatischen Tochter kubanischer Immigranten. Das Leben des erfolgreichen Professors gerät aus den Fugen. Denn plötzlich will er mehr als ein leidenschaftliches Abenteuer - und kann sich doch nicht darauf einlassen. Stattdessen macht er sich mit seiner Eifersucht und seinem Misstrauen gegenüber der schönen, jungen Frau zu einem alternden Trottel und gibt ihr doch nicht das, was sie haben möchte: einen Partner an ihrer Seite und nicht nur einen Liebhaber. Schließlich verlässt Consuela ihn und taucht zwei Jahre später wieder auf, nach einer Zeit, in der sich alles geändert hat außer der Liebe der beiden.

"Elegy" ist nicht nur die Liebesgeschichte eines ungleichen Paares, über den Konflikt zwischen zwei Liebenden in so unterschiedlichen Lebensabschnitten, über Altherrenfantasien. Es es auch die Geschichte über verpasste Chancen. Denn natürlich bereut Kepesh all seine Eifersuchtsanfälle wie Zurückweisungen. Selbst seine Bett-Beziehung mit Carolyn betrachtet er plötzlich in einem anderen Licht. Dass auch über 108 Minuten nicht ganz klar wird, was Kepesh und Consuela aneinander so fasziniert und bindet, und Consuela die geheimnisvolle schöne Frau bleibt, ist bei diesem virtuosen, stillen Film nur ein kleiner Wermutstropfen.

Britta Schmeis, dpa



letzte Aktualisierung: 26.11.2008 17:40:39



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