|
Inhaltliches Grundthema der Platte ist - wie schon beim Vorgänger "Rettet die Wale" - die Auseinandersetzung mit den eingefahrenen Strukturen, die Suche nach Möglichkeiten, den Weg des geringsten Widerstandes verlassen zu können, Bequemlichkeit zu überwinden. Als Synonym für das Eingefahrene benutzt Eva das Urbane, die Großstadt, die uns mit ihren blendenden Lichtern anzieht, die mit Tausendundeiner Option der Lebensgestaltung Freiheit suggeriert. "Verlass die Stadt" ist ihr Code, der uns sagt: Steh auf, wenn du etwas ändern willst.
Musikalisch verpackt sind Gustavs Botschaften in feine, niemals überbordende Electropop-Songs, die mitunter sehr charmant auch ins Musiktheater von Brecht und Weill oder in Richtung Chanson oder gar Volksmusik abdriften. Aufgenommen und produziert hat die Wienerin alles im Alleingang, zuhause an ihrem Computer. Gerade die Fragilität der verwendeten Sounds und die übertragbare Intimität der Aufnahme-Situation bewahrt Gustav davor, als bloße Verkünderin von Slogans abgestempelt werden zu können. Hier muss niemand laut schreien, um gehört zu werden. Hier kann man sich entspannt einem flirrenden Knistern des Synthesizers hingeben und beispielsweise trotzdem die Ungerechtigkeit in der Generation Praktikum anklagen, manche Facette des Kapitalismus in Frage stellen - oder sich einfach mal vornehmen, die Stadt zu verlassen, wenigstens für eine Nacht.
Matthias Puppe, leipzig-live.com |