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Gustav - Verlass die Stadt
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Fotos (3): Universal Music
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Es ist eine Art Lawine, die derzeit auf Eva Jantschitsch hereinbricht. Auch wenn die junge Wienerin vielen schon seit ihrem außergewöhnlichen Debüt "Rettet die Wale" ein Begriff sein dürfte, trägt das Ausmaß des öffentlichen Interesse an ihrem neuen Album "Verlass die Stadt" schon etwas überraschend Umfangreiches in sich. Als die besser als Gustav bekannte Produzentin und Sängerin beispielsweise kürzlich zur (Pop Up in Leipzig weilte, sah man sie stundenlang Interviews geben, vor Kameras posieren, Schallplatten signieren. Am Ende musste gar ihr abendliches Konzert um Minuten verschoben werden, weil noch weitere Journalisten auf Antworten drängten.

Das fragt man sich natürlich: Was unterscheidet Gustav von den vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern derzeit, die vergeblich um ein bisschen Öffentlichkeit ringen. Kurz und einfach gesagt: Sie vertritt eine der Beliebigkeit entgegentretende Definition von Popmusik, die Subversion und Hitappeal gleichermaßen in sich vereint, die all jenen als modernes Argument für Pop dienen kann, der hier nicht als deckunsgleiche Verkürzung des Begriffs populär verstanden sein will. "Verlass die Stadt" ist euphorisierend, wie auch schwer auf dem Herzen liegend, regt die Synapsen im Kopf an und verführt zum Mitsingen.


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Inhaltliches Grundthema der Platte ist - wie schon beim Vorgänger "Rettet die Wale" - die Auseinandersetzung mit den eingefahrenen Strukturen, die Suche nach Möglichkeiten, den Weg des geringsten Widerstandes verlassen zu können, Bequemlichkeit zu überwinden. Als Synonym für das Eingefahrene benutzt Eva das Urbane, die Großstadt, die uns mit ihren blendenden Lichtern anzieht, die mit Tausendundeiner Option der Lebensgestaltung Freiheit suggeriert. "Verlass die Stadt" ist ihr Code, der uns sagt: Steh auf, wenn du etwas ändern willst.

Musikalisch verpackt sind Gustavs Botschaften in feine, niemals überbordende Electropop-Songs, die mitunter sehr charmant auch ins Musiktheater von Brecht und Weill oder in Richtung Chanson oder gar Volksmusik abdriften. Aufgenommen und produziert hat die Wienerin alles im Alleingang, zuhause an ihrem Computer. Gerade die Fragilität der verwendeten Sounds und die übertragbare Intimität der Aufnahme-Situation bewahrt Gustav davor, als bloße Verkünderin von Slogans abgestempelt werden zu können. Hier muss niemand laut schreien, um gehört zu werden. Hier kann man sich entspannt einem flirrenden Knistern des Synthesizers hingeben und beispielsweise trotzdem die Ungerechtigkeit in der Generation Praktikum anklagen, manche Facette des Kapitalismus in Frage stellen - oder sich einfach mal vornehmen, die Stadt zu verlassen, wenigstens für eine Nacht.

Matthias Puppe, leipzig-live.com


Weitere Informationen
gustav.cuntstunt.net
chicksonspeed-records.com
myspace.com
Tracklist

Abgesang
Neulich im Kanal
Total Quality Woman
ifall
Alles renkt sich wieder ein
At The River's Edge
Verlass die Stadt
Soldatin oder Veteran
Happy Birthday

VÖ: 16.05.2008
Label: Chicks On Speed Records

Kurzportrait

Bürgerlicher Name: Eva Jantschitsch

Genre: Pop

Diskographie: Rettet die Wale (2004), Verlass die Stadt (2008)



letzte Aktualisierung: 06.11.2008 16:33:12



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