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"Es verändert sich nichts Gravierendes"
Infos
Fotos: Ines Friedrich
Im Interview: WGT-Sprecher Cornelius Brach
Im Überblick: Das Programm 2008
Leipzig-live.com sprach mit WGT-Sprecher Cornelius Broch über die Höhepunkte des Festivals, Finanzierung und Ausblicke in die Zukunft.

Wie lang bist Du schon beim WGT aktiv?

2006 habe ich als WGT-Pressesprecher die Nachfolge von Peter Matzke angetreten.

Gegründet aus der Wave- und Gothic-Subkultur heraus, ist das musikalische Spektrum heute weitaus größer. Wie hat sich das WGT aus Deiner Sicht in den vergangenen Jahren entwickelt?

Natürlich sind beim WGT auch neuere musikalische Strömungen der Szene wiederzufinden, so etwa elektronische Sachen, die fast wie Techno klingen oder der recht beliebte Mittelalterrock. Bei der Künstlerauswahl sind wir jedoch seit jeher bemüht, zwar einerseits diese neuen Tendenzen ins Programm zu integrieren, andererseits aber die musikalischen Wurzeln nicht aus den Augen zu verlieren. So sind immer auch einige "alte Helden" dabei, die schon in den frühen Tagen die Szene musikalisch geprägt haben. Außerdem bieten wir traditionell vielen weniger bekannten Bands eine Auftrittsmöglichkeit. Dies sorgt einerseits bei den Besuchern immer wieder für Überraschungen und Neuentdeckungen, andererseits trägt dies auch zum Erhalt des subkulturellen Charakters des WGT bei.

Was waren für Dich persönlich bisher unvergessliche Momente?

Zum Beispiel die sehr eindrucksvolle Licht- und Klanginszenierung "Monumentum" am Völkerschlachtdenkmal im letzten Jahr sowie die alljährlichen, wundervollen akustischen Konzerte im Denkmal. Besonders eingeprägt hat sich auch mein erstes WGT als Besucher vor über 10 Jahren. Wenn man die außergewöhnliche Atmosphäre des Treffens zum ersten Mal erlebt, kann man es kaum glauben...


Fotos
Foto: Regina Katzer
2007: Wave-Gotik-Fans in Leipzig
2007: Fotos von den Konzerten
Was sind aus Deiner Sicht die Höhepunkte des WGT 2008?

Als Eröffnungshöhepunkt gibt es dieses Jahr am Freitagabend einen Barock-Ball im Parkschlößchen Markkleeberg. Ein Zeremonienmeister und eine Tanzmeisterin bitten zum Tanz bei klassischer und neo-klassischer Musik. Außerdem gibt es kleine Feuerwerke und weitere Inszenierungen. Für den Einlaß gilt es eine Kleiderordnung zu beachten: festliche, edle Kleidung, die einem Ball angemessen ist, besonders gern gesehen ist dabei historische Gewandung.

Da es unter den Szeneanhängern auch so manchen Klassikfreund gibt, haben wir am Pfingstmontag im Opernhaus Plätze für unsere Gäste reserviert für die Aufführung von Verdis "La Traviata". Auch Schuberts melancholsich-romantischer Liederzyklus "Winterreise" ist Teil unseres diesjährigen Programms.

Besonders gespannt sein darf man dieses Jahr auch auf die Uraufführung des Theaterstücks "ZeitenWände" im Schauspielhaus, geschrieben von Oswald Henke (Goethes Erben, Fetisch: Mensch) und Markus Förster.

Gibt es Neuerungen gegenüber 2007?

Nein, es verändert sich nichts Gravierendes.

Ihr verzichtet nach eigenen Angaben auf Sponsoren. Wie finanziert sich ein Festival dieser Größe ohne Werbung?

Zu den Eintrittsgeldern kommen Gastroeinnahmen und die Miete von Marktständen hinzu sowie Zeltplatz- und Parkgebühren. Das ist es im Wesentlichen.


Links
Foto: Ines Friedrich
wave-gotik-treffen.de
Die Musikbranche liegt darnieder, Künstler verdienen hauptsächlich nur noch über Konzerte Geld. Viele Veranstalter stöhnen ob gestiegener Gagenforderungen. Ist es schwieriger geworden, ein Festival mit so vielen KüntlerInnen zu organisieren?

Natürlich müssen auch wir mit vielen Künstlern intensiv verhandeln, zumal wir kaum Preise zahlen können, die die Künstler sonst für Einzelkonzerte bekommen. Was uns dabei jedoch zugute kommt ist, daß das WGT auch unter Szenemusikern weltweit einen guten Ruf hat, durch das sehr internationale Publikum und durch die besondere Gesamtatmosphäre mit teils ungewöhnlichen Veranstaltungsorten. Dies unterscheidet uns nun mal von anderen Szenefestivals und hilft uns mitunter, gute Konditionen auszuhandeln.

Im vergangenen Jahr hat das Splash-Festival heimische Gefilde verlassen und hat sich erfolgreich neu strukturiert. Könnte so etwas auch für das WGT interessant werden?

Definitiv nicht! Das WGT hat hier in Leipzig seine Wurzeln, die Leipziger Bürger sorgen überwiegend für eine sehr gastfreundliche, vorurteilsfreihe Stimmung, die unsere Besucher zu schätzen wissen. Außerdem ist Leipzig ideal geeignet für unser Veranstaltungskonzept durch seine Vielzahl an großen und kleinen, teils sehr stimmungsvollen Auftrittsorten und Klubs, die gut erreichbar und nicht allzu weit voneinander entfernt sind.

Du arbeitest nach eigenen Angaben nicht hauptberuflich fürs WGT? Denkt man da gelegentlich ans Aufhören?

Mitunter schon. Denn so sehr die Arbeit fürs WGT Spaß macht, in den letzten Wochen vor Pfingsten ist mein Arbeitspensum neben einem Vollzeitjob nur zu schaffen wenn man nahezu völlig auf Freizeit und Wochenenden verzichtet (es ist übrigens gerade Sonntag 19:00 wo ich diese Fragen beantworte).

Wie sieht das WGT 2020 aus?

Ich glaube nicht, daß sich bis dahin Gravierendes ändern wird, da sich das grundlegende Konzept nun schon seit 16 Jahren bewährt hat, es keinen Grund gibt, daran etwas zu ändern. Und solange es die "Gothic"-Szene gibt, wird es wohl auch das WGT geben.

leipzig-live.com



letzte Aktualisierung: 31.05.2010 13:53:43



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