Verkleiden
Im Kostüm: Verkleiden ist zum Karneval Pflicht - ob als Cowboy, Klempner oder Clown. (Foto: André Kempner)
Karneval ohne Kostüme - das ist undenkbar. Wie das Verkleiden haben aber auch der Faschingstanz, die Büttenrede oder das Zempern zur Fastnachtszeit vielerorts Tradition. Aber wo kommen die teils Jahrhunderte alten Bräuche eigentlich her? Wie sind sie entstanden? Horst Blawitzki, Landesarchivar des Verbandes Sächsischer Carneval (VSC) hat Antworten auf diese Fragen. Er arbeitet im Brauchtums- und Traditionsausschuss an der Erforschung der Wurzeln und Quellen der Fastnacht in Sachsen. Der 74-Jährige erklärt die fünf allgemeinen Merkmale der Fastnachtszeit.
Das Vermummen oder Kostümieren ist wohl der offensichtlichste Brauch zur Faschingszeit. Ob als Cowboy, Klempner oder Clown - wer sich verkleidet, durchbricht damit nicht nur gesellschaftliche Gepflogenheiten. Er offenbart auch etwas von seiner Persönlichkeit. "Beim Karneval kann man aus der eigenen Haut schlüpfen und sich als jemand zeigen, der man gerne wäre", so Blawitzki. Das Vermummen selbst sei bereits aus vorchristlichen Bräuchen bekannt, so zum Beispiel der "wilde Mann" der den Dämonen verkörperte. Historisch gesehen, ist der Rollentausch jedoch eher gesellschaftlichen Ursprungs: "Schon immer haben sich beim Fasching die Armen gerne als Reiche verkleidet. Aber auch für die Wohlhabenden wurde es irgendwann reizvoll, in das Kostüm des Bettlers zu schlüpfen. Sie wollten einen Perspektivwechsel." Diese verkehrte Welt war allerdings ausschließlich zur Fastnachtszeit möglich. Denn nur dann konnte man sich hinter einer Maske unerkannt unter die Massen mischen.
Das Lärmen zum Karneval ist nicht nur eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Es diente ursprünglich auch der Vertreibung von Dämonen . "Früher glaubten die Menschen daran, dass diese für die Jahreszeiten verantwortlich sind. Mit viel Lärm wollten sie die bösen Dämonen und damit auch die Kälte verjagen." Während damals allerlei Gegenstände benutzt wurden, um Krach zu erzeugen, übernahmen später Instrumente wie Pauken oder Trompeten diese Funktion. Daraus entwickelte sich schließlich auch die karnevals-typische Guggemusik, die wenig Wert auf Harmonie und Melodie legt. Viel Wert legen die Karnevalisten dagegen auf ihren Narrenruf. Denn er ist nicht nur Ausdruck eines Gemeinschaftsgefühls, sondern macht auch den Karneval unverwechselbar. Auf ihren Schlachtruf "Leila helau" (Leipzig lacht herzlich und laut) sind die Narren aus der Messestadt besonders stolz. |